Die bemerkenswerte Sängerin Measha Brueggergosman bringt eine wenig überzeugende CD mit dem Titel "Night and Dreams" heraus
Zweifellos verfügt Measha Brueggergosman über eine außergewöhnliche Stimme. Und auch über jede Menge Ausstrahlung. Nicht umsonst gewann sie vor sieben Jahren beim ARD-Musikwettbewerb nicht nur einen Jury-Preis, sondern auch den Publikumspreis. Doch auch wenn man viel Gutes über die 33-jährige Sängerin sagen kann und muss, ihre neue CD "Night and Dreams"mit einem bunten Mix aus Liedern von Schubert bis Peter Warlock überzeugt nicht wirklich. Vielmehr hat man den Eindruck, hier wurde schnell ein Nachfolgeprodukt nach dem Erfolg ihrer ersten CD auf den Markt geworfen, das die aktuelle Popularität der Sängerin benützt, ohne künstlerisch wirklich ausgereift zu sein.
Zwar gelingen die meisten französischen Lieder von Duparc, Fauré oder Poulenc durchaus atmosphärisch, mit fließendem Melos.
Aber bei Strauss' "Nacht" traut man seinen Ohren nicht, wie übertrieben die Sängerin hier zu Werke geht. Bei einem Lied, das Initimität und stimmliche Feinzeichnung erfordert, greift Brueggergosman zum groben Pinsel und wischt mit Schmackes über alles fein Ziselierte hinweg. Eigenartig erscheint ihre Herangehensweise auch bei Schubert, dessen "Nachtstück" beiläufig und gleichzeitig zu opernhaft klingt. Ähnlich der Eindruck bei Mozarts "Abendempfindung an Laura". Viel zu laut singt sie das zarte "Ständchen" von Strauss, das erst am Ende "in die Vollen geht", von Geheimnis keine Spur. Ein gewisser Hauch von Beliebigkeit umweht also diese CD, man kann auch sagen Unlauterkeit. "Immer gelingt es ihr, die Musik so klingen zu lassen, als würde sie sie in dem Moment gerade erfinden", charakterisiert der Booklet-Text ihre Interpretationen. Da ist was dran. Nur, dass das eben nicht immer wirklich überzeugend ist, wenn Schubert nach Strauss und Strauss nach Puccini klingen.
Tadellos dagegen ihr Begleiter Justus Zeyen, der erst auf Seite drei des Booklets erwähnt wird.
Robert Jungwirth
Heute Abend (19. März) ist Measha Brueggergosman mit dem CD-Programm im Münchner Prinzregententheater zu hören, 20 Uhr.