Die zweite Uraufführung bei der Münchener Biennale 2008, "Architektur des Regens" von Klaus Lang, übte die totale Verweigerung gegenüber ihrem Publikum.
(München, 19.April 2008) Die zweite Premiere der Münchener Biennale 2008 war glücklicherweise von Unpässlichkeiten verschont. Und wie am Rande der Uraufführung von "Architektur des Regens" des österreichischen Komponisten Klaus Lang am Freitag Abend im Orff-Saal des Münchner Gasteigs zu hören war, ist Graham Valentine nach seinem Schwächeanfall am Donnerstag wieder bei Kräften und kann bei der nächsten Aufführung von "Arbeit Nahrung Wohnung" von Enno Poppe heute, Samstag, mit dabei sein.
Das wird den Besuchern der Biennale einen vielleicht anregenderen, lebendigeren, ja sogar: unterhaltsameren Musiktheaterabend bescheren als die unsäglich daherkonstruierte "Regen"-Geschichte Langs am Freitag (Koproduktion mit dem Landestheater Linz). Man muss selbst als hinlänglich in Sachen Neuer Musik informierter Besucher die Frage stellen, was das soll und was der Komponist-Librettist eigentlich von seinem Publikum hält. Nach diesem Stück zu urteilen, müssen die Zuschauer von Neuem Musiktheater alle hartgesottene Experten und Kenner sein, die sich sogar mit dem reinen Nichts zufrieden geben, solange nur ein paar Musiker und Sänger in Sichtweite sind.
Denn das war die "Architektur": fast nichts zu hören und fast nichts zu sehen.
Die Inszenierung tat alles, damit so wenig wie möglich über die Rampe kam: In einem bis zur Grenze des Sichtbaren abgedunkelten Bühnenraum (Regie und Ausstattung: Claudia Doderer) bewegten sich wie Schemen einige Menschen. Gelegentlich gaben sie Töne von sich, hohe und kurze (die Sopranistin Katia Guedes) oder tiefere und längere (drei Bassisten). Ob das einen Text oder andere Arten von Sinn ergeben sollte, war nicht auszumachen. Das Orchesterchen (Ensemble Triolog München unter Mark Rohde) steuerte ähnlich knappst bemessene Klangereignisse bei: Flötentöne, Glocken.
Zum Ende hin wurde es auf der Bühne hell: eine Art Engelsgestalt erschien oben in nun wirklich leuchtendem Weiß. Dazu durfte das Ensemble einen Akkord spielen. Dann war es wieder dunkel und das Publikum durfte ein Weilchen rätseln, ob das die Peripetie oder schon das Ende war. Entsprechend zögerlich und karg fiel dann auch der Applaus aus. Selbst die Fachleute, die sicher 80 Prozent des Publikums bildeten, hatten sich nicht erwärmen können für das Getröpfel dieses Regens.
Es gab in der Geschichte der Neuen Musik immer wieder Komponisten, die versuchten, die Musik an die Grenzen ihres Nicht-Seins zu treiben. Morton Feldman mit seinem Können, Spannungsbögen über Stunden zu dehnen, dürfte der Bekannteste unter ihnen sein. Lang gelingt diese Kunst nicht. Sein durch die Bühnengestaltung unterstütztes Theater der kompletten Introversion, der Verleugnung fast jeglicher Art der Kommunikation vermittelt seinem Betrachter nichts außer dem Wunsch, es möge bald vorbei sein. Und die Berufung auf japanische Vorbilder ist müßig, wenn man sich nicht geringste Mühe macht, in der Sache einen Kulturtransfer zu leisten, wie dies vorbildlich Peter Eötvös in seinem Klangtheater "As I crossed a Bridge of Dreams" gelungen war.
Selbst von Fachleuten, wie sie hauptsächlich zu einem Festival wie der "Biennale" kommen, darf man heute nicht mehr grenzenlose Belastbarkeit und Geduld erwarten. Auch sie möchten vom Theater mindestens Erkenntnis mitnehmen dürfen, die sich nicht durch Vorbereitungsarbeit, sondern durch das Stück und die Aufführung selbst vermitteln.
Laszlo Molnar
Nächste Aufführungen am 20., 21. bei der Biennale, 26. und 27. April am Landestheater Linz.
www.muenchenerbiennale.de