Durch Musik zur Welt

Die Münchner Philharmoniker heben im Rahmen der Biennale Werke von Joneleit und Hamel aus der Taufe

(München, 29. April 2008) Obwohl die Neue Musik nicht zu ihren Spezialitäten gehört, beteiligen sich die Münchner Philharmoniker traditionell am Biennale-Programm. Heuer, souverän geleitet von Marcus Bosch, mit zwei Uraufführungen (Dienstag in der spärlich besetzten Philharmonie).

Jens Joneleits "Feld" für großes Orchester gelingt es, Weite mit verstreuten Geräuschpartikeln zu suggerieren. Ein aufgeregtes Tutti leitet den Höhepunkt, eine Klangmassierung mit imposantem Hörnerauftritt ein, bevor sich das Stück wieder in punktuellen Instrumenten-Geräuschen verliert.

Über Stockhausens festliches, solosattes "Jubiläum" von 1977 gelangten die Philharmoniker zur Uraufführung von Peter Michael Hamels zweiter Sinfonie "Die Auflösung". Bei der ersten Biennale hatten die Philharmoniker noch unter Celibidaches Leitung Hamels Erste uraufgeführt. Jetzt präsentierten sie ein klanglich moderates, gekonnt mit außereuropäischen Einflüssen spielendes fünfsätziges Werk.

Hamel hat seinen eigenen, farbigen Ton gefunden, der nicht innovativ irritiert. Er benutzt das Orchester nicht als Geräusch-Produzent, sondern geht gerade im ersten Satz "Einklang" vom wohl vertrauten Streicherklang der Philharmoniker aus. Darum herum legt er wie Klangringe die Bläser und das Schlagwerk, die starke Akzente liefern, im zweiten Satz "Ausklang" auch aggressiver dem Streicherklang zusetzen. Der sanft bewegte "Nachklang" wird zum meditativen Auspendeln, während der "Urklang" mit einem großen Aufbäumen einsetzt. Hier, wie auch im schwachen, finalen "Gegenklang", trat der Philharmonische Chor mit Worten aus dem Tibetischen Totenbuch und dem 150. Psalm hervor.

Gabriele Luster