Harald Asel: "Wer schrieb Beethovens Zehnte?" Eichborn, Frankfurt 2008. 280 Seiten, gebunden. 19,95 Euro
Es steht eine Behauptung im Titel, dieses Buch vereine alles, was man über Musik "nicht wisse", die so nicht eingelöst werden kann. Zu unterschiedlich wird die Leserschaft von Harald Asels Musiklexikon sein. Denn auf vergnüglichen 300 Seiten erzählt der deutsche Radiojournalist in gekonntem Plauderton Dinge über Musik und Musiker, die vielerlei Arten von Neugierde befriedigen. Stichwort "Beethovens Zehnte, wer schrieb". Na? Es war Johannes Brahms. Beziehungsweise war es der Dirigent Hans von Bülow, der Brahms' Erste so nannte; eine Ein- und Wertschätzung, die Brahms nicht nur freute. Es gibt Stichworte, die jeden neugierig machen müssen ("Casting im Waisenhaus"). Andere, bei denen der Kenner vorschnell abwinkt "Bolero". Zu Unrecht. Und eine dritte Kategorie, die uns ganz fundamentale Fakten vermittelt. Dinge, die wir nur glauben, zu wissen - die gefährlichste Art von Nicht-Wissen. Zum Beispiel: Warum wird im Orchester nach dem Ton A gestimmt? Warum heißt das "hohe C" eigentlich so? Asels Buch ist verständlich-amüsant geschrieben, sein Autor up to date. So taucht etwa der Skandal um den Berner "Wozzeck" 2008 auf, wo der Dirigent aus Unstimmigkeiten mit dem Orchester über die Dynamik den Graben verliess. Einige Flüchtigkeitsfehler (im Orchester wird nach der Oboe, nicht nach der Klarinette, gestimmt) seien verziehen. Schmökern oder durchlesen - bei diesem amüsanten und dabei doch recht seriösen Lexikon ist, je nach Wissensstand, beides gewinnbringend.
Benjamin Herzog