Cecilia Bartoli wird Salzburger Pfingstfestspiel-Intendantin und -Protagonistin.

In Wien stellte Alexander Pereira Cecilia Bartoli als zukünftige Leiterin der Salzburger Pfingstfestspiele vor

Eines muss man dem designierten Intendanten der Salzburger Festspiele Alexander Pereira lassen: Er reagiert rasch auf unvermeidlich (und unkontrolliert) auftauchende Gerüchte und er hat eine unglaublich gute Hand für das Verbinden von kommerziell und künstlerisch erfolgversprechenden Projekten: Im traditions­reichen Hotel Sacher stellte er heute (20.9.) Cecilia Bartoli als künftige künst­lerische Leiterin der Salzburger Pfingstfestspiele vor, entlockte der Wider­strebenden die wichtigsten Daten für ihre erste Saison (2012) und gab gleich­zeitig so nebenbei bekannt, dass er selbstverständlich seinen Wohn­sitz ab 2012 nach Salzburg verlegen werde, weil man doch ein Festival nicht aus der Ferne leiten könne. Der Vertrag wurde vorerst für drei Jahre abgeschlossen. Aber "wir schon viel weiter in der Zukunft", sagte Pereira. Eine Verlängerung der Abmachungen ist also durchaus denkbar.
Als erste Produktion zeigen die Pfingstfestspiele 2012 Händels "Giulio Cesare" mit Cecilia Bartoli als Cleopatra und Andreas Scholl als Cäsar. Es spielt der "Giardino armonico" unter Giovanno Antonini; Das Regieteam besteht aus Moshe Leiser und Patrice Caurier. Die Produktion wird dann - auch in den darauffolgenden Jahren - jeweils im Sommer von den Festspielen übernom­men. Um die jeweilige Oper herum werde man, wie schon bisher zu Pfingsten, mit dem Sujet in Verbindung stehende Musik plazieren. In den nächsten Jahren werde man über das barocke Zeitalter hinausblicken, aber weiter auf period instruments setzen. Da ist natürlich ein weites Feld offen, weil Riccardo Muti in den letzten Jahren der Musik seinen aus einer anderen Tradition kommenden Stempel auf­gedrückt hat und weil zumal in der italienischen Musik generell das klassische und das Belcanto-Repertoire noch weitgehend originaltonfrei sind.

Es ließen sich ja alle möglichen Einwände gegen einen alten Hasen an der Spitze der Salzburger Festspiele vorbringen. Aber wie man am Beispiel Bartoli sieht, gibt es auch ent­schiedene Vorteile: Bartoli und Pereira kennen sich schon aus der Zeit, als der jetzige Zürcher Intendant noch Leiter des Wie­ner Konzerthauses war. Jeder weiß um die starken Seiten des anderen, und so entstehen Projekte und Konstellationen, an die man nicht sofort denken würde. Cecilia Bartoli als Intendantin, die sich die Rollen, die ihr als Sängerin auf den Leib geschrieben sind, auswählen darf: Das kann gar nicht schiefgehen, schon gar nicht für das Publikum, das ihr gerade in diesen Tagen im Theater an der Wien begeistert zujubelt. 
Derek Weber

Hier der Wortlaut der Pressemeldung:

Alexander Pereira: "Ich freue mich außerordentlich, dass die langjährige, äußerst inspirierende Zusammenarbeit mit Cecilia Bartoli in Salzburg auf neue Beine gestellt werden kann!

Der bewundernswerte Mut zu Qualität und Phantasie, der Cecilia kennzeichnet, hat mich bewogen, sie zu fragen, ob sie als künstlerische Leiterin unter meiner Intendanz die Pfingstfestspiele ab 2012 gestalten möchte.Cecilia ist neben ihren barocken und klassischen Projekten gerade in den letzten Jahren auch auf dem Gebiet des Belcanto besonders hervorgetreten. Die Zusammenarbeit wird sich daher nicht - wie zu lesen war - auf Barockprojekte beschränken, sondern sich selbstverständlich über alle künstlerischen Bereiche ausdehnen, für die sie sich engagiert."

Cecilia Bartoli: "Alexander Pereira nahm mich als einer meiner ersten Förderer schon als junge Anfängerin unter seine Fittiche und bot mir im Lauf der Jahre so manch wunderbare Gelegenheit zur Verwirklichung meiner künstlerischen Ideen! Somit ist es mir eine immense Freude und Ehre, dass unsere Freundschaft nun in Salzburg in diese neue spannende Zusammenarbeit mündet."

Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler: "Ich freue mich, dass es Alexander Pereira gelungen ist, mit Cecilia Bartoli für die Salzburger Pfingstfestspiele eine charismatische Künstlerin zu engagieren, die den großen Erfolg des Fünf-Jahres-Projekts "Scuola Napoletana" mit Riccardo Muti sicher auf ihre Weise fortsetzen wird."

Als wesentliche Neuerung wird die zu Pfingsten produzierte Oper in die Sommerfestspiele übernommen werden und dort selbstverständlich in derselben Besetzung noch ca. 5 Mal gespielt.

Das detaillierte Programm wird zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.

CECILIA BARTOLI UND SALZBURG

1988 entdeckte Herbert von Karajan die junge Römerin Cecilia Bartoli und legte somit den Grundstein für die langjährige Zusammenarbeit dieser Sängerin mit den Salzburger Festspielen. Seit 1993 war sie in Salzburg regelmäßig mit zentralen Opernpartien von Mozart und ihren wichtigsten Konzert- und Liederabendprogrammen mit Partnern wie Daniel Barenboim/Patrice Chéreau, Christoph von Dohnányi, Riccardo Muti, Nikolaus Harnoncourt, Sir Simon Rattle und András Schiff sowie Orchestern wie den Wiener Philharmonikern, den Berliner Philharmonikern, der Akademie für Alte Musik Berlin, dem Freiburger Barockorchester und dem Orchestra of the Age of Enlightenment zu Gast.

Cecilia Bartoli und ihre Zusammenarbeit mit Alexander Pereira

 

Am Opernhaus Zürich, wo sie seit etwa 20 Jahren tätig ist, hat sie sich in allen wichtigen Rollen ihres Fachs präsentiert, darunter in den Da Ponte-Opern von Mozart mit Nikolaus Harnoncourt, "Il barbiere di Siviglia" und "La Cenerentola" von Rossini, "Giulio Cesare" und "Semele" von Händel. In Zusammenarbeit mit Intendant Alexander Pereira hat sie in den letzten Jahren auch immer wieder Werke zur Diskussion gestellt, welche das Opernrepertoire inhaltlich und musikhistorisch in interessanter Weise ergänzen: Unter anderem gehören dazu: "L'Anima del filosofo" von Haydn, "Nina" von Paisiello, "Il turco in Italia" von Rossini und "Clari" von Halévy. Nicht zuletzt wurde auf ihre Initiative hin die erste Szenische Interpretation in der Neuzeit von Händels "Il trionfo del tempo e del disinganno" herausgebracht.

Im kommenden Januar ist eine Premiere von Rossinis "Le comte Ory" geplant, bei der erstmals die rekonstruierte neue, auf Rossinis eigener Dirigierpartitur fussende Notenedition verwendet wird.

Cecilia Bartoli - eine der führenden Persönlichkeiten in der Musikwelt

Inzwischen gehört Cecilia Bartoli seit mehr als 20 Jahren zu den bedeutendsten Künstlerinnen im Bereich der klassischen Musik. Eine große Genugtuung ist dabei die weit über das traditionelle Konzertpublikum hinausgehende Resonanz, auf die ihre Projekte stossen und die sie zur weltweit erfolgreichsten klassischen Künstlerin machen. Dieser Erfolg gipfelt in 10 Mio. verkauften Tonträgern und katapultiert die Sängerin auf eine in der klassischen Musik einzigartige Weise auch im kommerziellen Sinne in die Sphären von Popstars! Neben vier verliehenen Grammys sprengen Bartoli-Projekte regelmässig die Klassikcharts und landen stattdessen unter den Top-10 der internationalen Popcharts, wo sich ihre CD's insgesamt schon über 300 Wochen gehalten haben.

Dieser einzigartige Erfolg erlaubte es der Künstlerin, quasi im Alleingang u.a. die weltweite Renaissance des Opernkomponisten Vivaldi einzuläuten, Salieri als ernstzunehmenden Komponisten zu rehabilitieren, den Kastraten ein an inhaltlicher Komplexität und Virtuosität unübertroffenes Denkmal zu setzen und die italienischen Belcanto-Opern als differenziert gestaltete Musikdramen wiederauferstehen zu lassen, wie zuletzt die Konzerte mit Bellinis "Norma" im originalen Klang und in der Vokalität der Uraufführung.

Ein wichtiger Aspekt von Cecilia Bartolis Arbeit ist dabei stets auch die historisch informierte Interpretation, nicht nur im Gesang, aber auch der begleitenden Ensembles. Diese Neugier für die historische Quellenlage verdankt sie nicht zuletzt auch ihrem Mentor Nikolaus Harnoncourt.

Für ihre Arbeit wurde Cecilia Bartoli vielfach ausgezeichnet. Unter anderem wurde sie in Italien zum "Accademico effettivo di Santa Cecilia" ernannt, in Frankreich zum Chevalier des Arts et des Lettres und Officier de l'Ordre du Mérite, in England zum Ehrenmitglied der Royal Academy of Music in London. Unlängst erhielt sie die Medalla de Oro al Mérito en las Bellas Artes, eine der höchsten Auszeichnungen des spanischen Kultusministeriums, und die Médaille Grand Vermeil de la Ville de Paris.

Anlässlich des Händel-Jubiläumsjahrs 2009 wurde sie als Ehrenmitglied in den Fachbeirat der Stiftung Händel-Haus Halle berufen und ein Jahr darauf mit dem Händel-Preis der Stadt Halle ausgezeichnet. Ebenfalls 2010 wurde ihr in Kopenhagen in Anwesenheit von Königin Margrethe II. der begehrte dänische Léonie-Sonning-Musikpreis verliehen. Abgerundet wird diese ereignisreiche Spielzeit durch die Entscheidung der Universität Dublin, Cecilia Bartoli und ihrer Arbeit durch die Verleihung der Ehrendoktorwürde Anerkennung zu zollen.