Die Bayerische Staatsoper lud zum zweiten "Ball der Künste" ins Münchner Haus der Kunst
(München, 16. Mai 2008) Der Aufwand war enorm, den die Bayerische Staatsoper für ihren zweiten "Ball der Künste" betrieben hat: Drei Kilometer Kabel, 200 qm Teppich und 600 qm Tanzparkett mußten verlegt, 80 Hightech-Lautsprecher aufgebaut werden. Mit einer "digitalen Tapete" bebilderte der Berliner Lichtdesigner Thomas Müller die kahlen Wände des an sich gänzlich unromantischen Hauses der Kunst und schuf so eine durchaus angenehme Party-Atmosphäre. Einladend gestaltet waren auch die Lounges und die Bars.
Im großen Ballsaal sorgten zudem sechs große Barocklüster für ein stimmungsvolles Ambiente. Dort präsentierte das Bayerische Staatsorchester unter seinem Chefdirigenten Kent Nagano zu Beginn erst mal ein gediegenes Musikprogramm: ein bisschen Suppé, ein bisschen Strauss und Verdi, sogar Wagner war darunter, wobei Peter Seifferts "Winterstürme" weniger überzeugend gerieten als die darauf folgende "Dein ist mein ganzes Herz"-Schmonzette von Lehar. Anja Harteros' Verdi- und Catalani-Arien dagegen waren umwerfend, man hätte ihr den ganzen Abend zuhören können. Doch das wäre der Veranstaltung nicht gemäß gewesen. Schließlich warteten noch jede Menge andere Ensembles und Bands, die in insgesamt vier Räumen zum Tanz aufspielten. Hervorragend das Savoy Dance Orchestra mit wunderbaren Swingnummern. Außerdem zu hören: Pepe Lienhard und Orchester, Martin Schmitt und Band, The Toby Tones sowie das Salonorchester des Bayerischen Staatsorchesters.
Ach ja, und dann gab es da auch noch ein bißchen Kunst zum "Ball der Künste", z.B. mit Kunsthäppchen von Akademiestudenten, einer Videoinstallation von Emilia Scharfe und einer Papierperformance von Florian Lechner: "Weißes Papier wird zerknüllt und damit Potential eines auf Inhalt wartenden Blattes zerstört...45 000 Mal" - ah ja. Zuschauer hatte Lechner eher wenige.
Die etwa 1400 Besucher kamen in noblem Outfit, gaben sich aber betont locker und amüsierwillig. Nur die beiden Conferenciers Udo Wachtveitl und insbesondere Michael Fitz waren nicht ganz auf der Höhe der Veranstaltung - Michael Fitz schien kaum dazu in der Lage zu sein, die Augen von seinen Notizzetteln weg aufs Publikum zu richten - da waren dann auch die durchaus witzigen Texte wirkungslos.
Amüsiert hat man sich dennoch gut und lange - und der "Ball der Künste" ist nun fast schon eine Münchner Tradition.
Robert Jungwirth