Frischer Wind in der Staatsoper

Nikolaus Bachler Foto: Christian Kaufmann

(München, 5. Mai 2008) Neue Besen kehren gut. Dieser alten Weisheit haucht Nikolaus Bachler, der neue Intendant der Bayerischen Staatsoper neues Leben ein. Nicht nur fürs Publikum hält der Direktor des Wiener Burgtheaters mit Macherqualitäten manche Neuerung bereit, wie die Abschaffung des Premierenabos. Vor allem für die Beschäftigten der Staatsoper selbst kam dieser Wiener Nikolaus keineswegs nur mit Wolhltaten: Betriebsbüro und Dramaturgie werden ausgetauscht.

Der ehemalige Schauspieler Bachler versteht Oper primär als Theater, deshalb engagierte er für die insgesamt sieben Premieren seiner ersten Spielzeit auch hauptsächlich Regisseure, die vom Schauspiel kommen.
Martin Kusej eröffnet den Premierenreigen mit "Macbeth" (2. Oktober) dirigiert von Nicola Luisotti, Andreas Kriegenburg inszeniert im November Bergs "Wozzeck", dirigiert von Kent Nagano, im Januar 2009 folgt Pfitzners "Palestrina" in einer Inszenierung des Münchner Volkstheaterintendanten Christian Stückl und unter der musikalischen Leitung der Hamburger GMD Simone Young. Donizettis "Lucrezia Borgia" im Februar wird Christof Loy inszenieren und Bertrand de Billy dirigieren, "Jenufa" von Janacek leitet Kirill Petrenko am Orchesterpult und Barbara Frey am Regiepult, Premiere ist im April, gefolgt von einer neuen "Aida" in der Inszenierung von Christof Nel und unter der musikalischen Leitung von Daniele Gatti im Juni. Die Festspielpremiere Lohengrin (5. Juli) dirigiert Kent Nagano, Regie führt Richard Jones.

Viel war an diesem Vormittag von Wandel und Erneuerung die Rede, wobei Bachler klarstellte, dass es ihm dabei immer um die Qualität gehe, weshalb er auch beispielsweise eigens einen Sänger-Scout engagiert hat, der für die Bayerische Staatsoper nach neuen Talenten Ausschau halten soll.
Bachler sagte, dass er sich einen ästhetischen Wandel mit Mut zum Risiko für München wünsche. "Ziel ist, mit München Opernhaus Nummer eins in Deutschland und eines der Big Five in der Welt zu sein." In der Presse kolportierte Dissonanzen zwischen ihm und dem Münchner GMD Kent Nagano verwies er ins Reich der Legenden: "Wir arbeiten sehr gut und kooperativ zusammen".

Man darf also gespannt sein auf die Intendanz von Nikolaus Bachler. Dass der Wiener gewillt ist, dem Münchner Haus seinen Stempel aufzudrücken, daran hat er heute keinen Zweifel gelassen.
Robert Jungwirth