Bach Cantatas, Vol. 22
Vokalsolisten: Angharad Gruffydd Jones, Gillian Keith, Daniel Taylor, James Gilchrist, Stephen Varcoe
The Monteverdi-Choir, English Baroque Sololists, Dirigent: John Eliot Gardiner
SDG, Vertrieb harmonia mundi, 2 CDs
www.solideogloria.co.uk
Wer Gelegenheit hatte, im Jahr 2000 eines der Konzerte von John Eliot Gardiners "Cantata Pilgrimage" mitzuerleben, der wird sich gewiss eines starken Eindrucks erinnern. Gardiner führte damals, im Gedenkjahr des 250. Todestages Bachs, alle geistlichen Kantaten des Komponisten mit seinen Ensembles "Monteverdi Choir" und "English Baroque Soloists" in Kirchen überall in Europa und in New York auf. So stark war seine Überzeugtheit von diesem Projekt und sein Glaube an dessen Bedeutung, dass er sogar den Bruch mit seiner damaligen Plattenfirma Deutsche Grammophon in Kauf nahm. Gardiner wollte alle 200 Kantaten der "Pilgrimage" auf CD veröffentlicht haben, die DG nur einen Teil davon. Gardiner schmiss hin und nahm das CD-Projekt selbst in die Hand. Nun erscheinen seit 2005 alle geistlichen Bach-Kantaten in den live-Aufnahmen der Kantaten-Pilgerreise in Gardiners eigenem Label SDG - was für nicht anderes steht als für Bach eigenes Lebensmotto "Soli Deo Gloria": Gott alleine zur Ehre. Nun ist der Zuhörer der Pilger, der Gardiner und seinen Musikern Ausgabe für Ausgabe zu Bachs Kantaten folgen kann.
Die Ausdauer lohnt sich. Mit der Folge 22 ist, gerade rechtzeitig zu Ostern, ein besonderes Prachtexemplar der Reihe erschienen. Auf den zwei CDs sind sechs Osterkantaten versammelt - einige der faszinierendsten, überschwänglichsten Kirchenkantaten Bachs. Kein Wunder auch, denn Ostern ist eigentlich das höchste christliche Kirchenfest.
Der Tod wird noch in der berühmten Kantate BWV 4, "Christ lag in Todes Banden" reflektiert, dann bricht der Jubel aus: "Der Himmel lacht, die Erde jubilieret", BWV 31, "Erfreut euch, ihr Herzen", BWV 66, "Ein Herz, das seinen Jesum lebend weiß", BWV 134 und die weniger bekannte aber in der zweiten Arie überraschend festliche Kantate "Ich lebe, mein Herze", BWV 145. Die letzten beiden Werke stammen übrigens noch aus Bachs Köthener Zeit, wo er besonders glückliche Jahre verlebte. Das hört man an Bachs Lust, mit den Klängen zu spielen.
Gardiner war für diese Kantaten besonders inspiriert und animierte seine Musiker und Choristen zu Höchstleistungen. BWV 4 allerdings ist zu manieriert geraten, zu sehr auf einen äußeren Ausdruck getrimmt, den das frühe Bach-Werk nicht nötig hat. Da sollte man die in ihrer Versenkung und Spiritualität unübertroffene Aufnahme mit dem Bach-Collegium of Japan unter Masaaki Suzuki bereit haben. Ansonsten ist Folge 22 der CD-Cantata-Pilgrimage die reine Freude. Ein Fest für jeden Bach-Kenner und eine Einstiegsdroge für jeden, der es werden will.
lm