Berliner Schülerinnen und Schüler und die Berliner Philharmoniker unter Simon Rattle haben mit Royston Maldoom ("Rhythm is it") ein neues Tanzstück erarbeitet
(Berlin, 30. Mai 2009) "Wir behandeln alle als Profis, für die meisten der Jugendlichen ist das eine ganz neue Erfahrung", sagt Royston Maldoom. Zum dritten Mal arbeitete der englische Choreograph mit Berliner Schülerinnen und Schülern gemeinsam an einem Tanzprojekt. Sechs Wochen wurde zweimal die Woche geprobt, die letzten beiden Wochen vor der Premiere jeden Tag. Dafür bekamen die Schüler schulfrei.
Wie bei den beiden Vorläufer-Projekten ist es Maldoom auch mit seiner Choreographie zu Bela Bartoks Konzert für Orchester erneut gelungen, rund 140 Jugendliche aus vier verschiedenen Schulen und ganz unterschiedlichen sozialen Milieus zu einer eingeschworenen Truppe zusammen zu schweißen. Maldoom und ein halbes Dutzend Mitarbeiter und Assistenten haben den Schülerinnen und Schülern nicht das Gefühl vermittelt, nichts zu wissen, sondern das Gefühl, Künstler zu sein. Viele Teilnehmer hatten vor den Proben zum Teil weder Erfahrung mit dieser Art Musik noch mit Tanz.
Tatsächlich wirkt das Ergebnis sehr professionell. Man vergisst als Zuschauer sehr schnell, dass man einer Aufführung von Laien zusieht - so anspruchsvoll, so überzeugend sind die Bewegungen und Gesten, so genau das Timing in Verbindung mit der Musik.
Die Schülerinnen und Schüler wirbeln zu Bartoks vielgestaltiger und expressiver Musik in immer wieder neu zusammengestellten Formationen über die gigantische Bühne der Treptow-Arena. Sie tragen Hosen, Hemden und Kleider, die an die 30er und 40er Jahre erinnern. Manchmal schleppen sie auch Koffer. Sie wirken suchend, orientierungslos. Erst allmählich wird klar, dass es sich um Flüchtlinge handelt, um Menschen, die vor dem Krieg flüchten, wie Bartok selbst. Das Konzert für Orchester entstand 1943 nach Bartoks Emigration in die USA, die für den etwa 60jährigen Komponisten einen äußerst problematischen Lebensabschnitt einläutete.
Natürlich ist Bartoks Konzert für Orchester keine Programmmusik. Royston Maldoom hat in seiner Choreographie dennoch überaus geschickt und plausibel die Musik mit der Biographie des Komponisten und der Flüchtlingsthematik im Allgemeinen verknüpft.
Mit Anspielungen auf New York, den Broadway, das schnelle Leben in einem fremden Land endet das Stück. Die rund 3000 Besucher sind begeistert und die Profis auf der Bühne inklusive Simon Rattle freuen sich sichtlich über ihren Applaus.
Robert Jungwirth
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