Die doppelte Martha

Martha Argerich Foto: DG

Martha Argerich und Lilya Zilberstein als Klavierduo in München

(München, 10. Juli 2009) Das war ein Abend! Düstere Wolken trieben das Publikum am Freitag in den Herkulessaal, wo es die vorgesehene Sommernachtsstimmung des Brunnenhofes jedoch keine Sekunde vermisste. Dazu ließen ihm Martha Argerich und Lilya Zilberstein keine Zeit. Sie schlugen vom ersten Ton an die Zuhörer in ihren Bann und bescherten ihnen zwei Stunden musikalischen Hochgenuss unter Hochspannung.

Wie aus einer Hand klingt das, was die beiden Damen mit vier Händen aus zwei Flügeln zaubern: Ein subtiles Miteinander im fugenlos, dennoch sauber konturierten Stimmengewirr von Mozarts f-moll-Fantasie für eine Orgelwalze, die Ferruccio Busoni für zwei Klaviere gesetzt hat. Mozarts D-Dur-Sonate KV 448 verlockt sie zu heftigem oder verspieltem Dialogisieren, lässt sie echoen oder in feinen Pianoschattierungen zusammen singen. Ob sie Linien aus einem Atem träumen, irrwitzige Läufe vorüber huschen lassen (in Schumanns Andante und Variationen B-Dur op. 46) oder ob sie in Schostakowitschs heiklem Concertino a-moll op. 94 ihre Parts im rhythmischen Gegeneinander "verteidigen" und zu virtuosem Miteinander führen, die beiden Pianistinnen faszinieren.

Martha Argerich, die souveräne, unbestrittene Königin des Klaviers, hat in der von ihr schon vor Jahren geförderten russischen Kollegin eine Partnerin entdeckt, mit der sie nur wenige Blicke tauschen muss: Dann zeigen beide Pranke, lassen ihrer Spiellust freien Lauf oder treffen sich im gesetzten Ernst und entfalten die symphonische Fülle von Brahms Haydn-Variationen op. 56.

In Rachmaninows abschließender Fantaisie op. 5 steigerten sich die Damen vom Trillerglitzer bis zum festlichen Ostergeläut. Die "Nacht der Liebe" trieben sie in tristanische Ekstase und in den "Tränen" ließen sie Farben und Stimmungen in der Tiefe schillern.
Strahlende Gesichter, Jubel, Zugaben, standing ovations im sehr gut besuchten Saal.
Gabriele Luster

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