Meldungen

Leipzig benennt Platz nach Kurt Masur

Der Leipziger Stadtrat hat beschlossen, einen Platz in unmittelbarer Nähe des Gewandhauses nach dem im vergangenen Dezember gestorbenen Dirigenten Kurt Masur zu benennen. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen, so die Pressestelle der Stadt.
Masur war 26 Jahre lang Leiter des...

Rundfunk- und Medienrat des BR lehnen Vertreter des Bayerischen Musikrats ab

Der Bayerische Musikrat (BMR) als Spitzenorganisation der Musik in Bayern erhebt Einspruch gegen die Ablehnung der von ihm benannten Vertreter als wahlberechtigte Mitglieder im Rundfunkrat und Medienrat des Bayerischen Rundfunks. Das meldet der BMR. In Schreiben vom 11. Mai 2017 an den Vorsitzende...

International Opera Awards: Opéra de Lyon zum "Besten Opernhaus des Jahres 2017" gewählt

Die Opéra National de Lyon wurde am Sonntag, dem 7. Mai, im Rahmen der Zeremonie der International Opera Awards im London Coliseum zur "Best Opera Company 2017" (Bestes Opernhaus des Jahres 2017) gekürt.
Die weiteren Nominierten waren das Teatro alla Scala in Mailand, das Royal Opera...

Ulrich Deppendorf moderiert bei Klassik Radio

Ulrich Deppendorf, einer der bekanntesten Fernsehjournalisten Deutschlands, ist ab Mai mit einer eigenen Sendung für Klassik Radio tätig. Erstmalig am 5. Mai kommentiert Deppendorf bei Klassik Radio in "Deppendorfs Woche" die "wichtigsten politischen und gesellschaftlichen...

Tenor Endrik Wottrich an Herzversagen gestorben

Endrik Wottrich ist tot. Der Tenor ist am Mittwoch, 26. April, im Alter von 52 Jahren einem Herzversagen erlegen ist. Wottrich war vor allem als Wagner-Tenor bekannt und geschätzt. In London, Paris, Dresden, Wien  und bei den Bayreuther Festspielen verkörperte er unter anderem den...

Arcis-Vocalisten präsentieren zwei Orfeo-Opern in München

Am Donnerstag, 25. Mai, präsentieren die Arcis-Vocalisten um 19 Uhr Glucks „Orfeo“. Monteverdis „L’Orfeo“ erklingt am selben Ort, ebenfalls um 19 Uhr, am Sonntag, dem 28. Mai. In beiden Konzerten spielt das Barockorchester „L’Arpa festante“ auf alten Instrumenten. Es dirigiert der Leiter der...

Staatsoper Unter den Linden eröffnet am 3. Oktober 2017

Die Wiedereröffnung der Berliner Staatsoper wird am 3. Oktober 2017 mit einer Musiktheaterpremiere gefeiert. Das haben am heutigen Montag Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher, Kultursenator Klaus Lederer, Staatsopernintendant Jürgen Flimm, designierter Staatsopernintendant Matthias Schulz,...

Spannende Quartette beim Ickinger Frühling 2017

Haydn bildet einen Schwerpunkt des diesjährigen Internationalen Streichquartett-Festivals Ickinger Frühling am 6.-7. Mai 2017, zu dem drei hochrangige Quartette eingeladen wurden. Eröffnet wird das Festival am 6. Mai um 16 Uhr mit einem Gesprächskonzert mit dem Cuarteto Quiroga aus Madrid, das sich...

Teodor Currentzis wird Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters

Mit Beginn der Spielzeit 2018/19 wird Teodor Currentzis (45) der erste Chefdirigent des neuen SWR Symphonieorchesters. Er zählt zu den vielseitigsten und interessantesten Dirigenten seiner Generation, dessen Repertoire mit Werken von der Barockzeit bis zur Avantgarde sämtliche Epochen umfasst....

Sopranistin Anna Voshege gewinnt Richard-Strauss-Wettbewerb 2017

Die Sopranistin Anna Voshege ist die Gewinnerin des diesjährigen Richard-Strauss-Gesangswettbewerb in München. Von 78 jungen Sängerinnen und Sängern wurden 16 zum Vorsingen eingeladen, sieben kamen ins Finale. Die 27jährige australisch-deutsche Sängerin überzeugte die Jury mit ihren...

Salam Syria - Festival in Elbphilharmonie widmet sich der Musikkultur Syriens

Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges gab es in Syrien – von jeher Schmelztiegel unterschiedlicher Religionen und Kulturen – eine lebendige und vielfältige Musikszene. Inzwischen haben über vier Millionen Menschen das Land auf der Flucht vor Terror und Zerstörung verlassen. Das...

Juilliard School mit Online-Kursen

Eine der berühmtesten Musikakademien der Welt, die New Yorker Juilliard School, bietet wieder Online-Kurse für ein weltweites Publikum an. Die Kurse, die in der Rubrik "Open Classroom" gebucht werden können und im Mai und Juni beginnen, stehen jedermann offen, sind aber kostenpflichtig....

Kurt Moll gestorben

Der große Sänger Kurt Moll ist im Alter von 78 Jahren am vergangenen Sonntag gestorben, wie seine Familie mitteilt. Geboren in Buir bei Köln studierte Moll an der Kölner Musikhochschule bevor er seine ersten Engagements in Aachen, Mainz und Wuppertal erhielt. Der internationale Durchbruch gelang...

Chick Corea zu Gast in München

Jazzlegende Chick Corea (75) - einer der bedeutendsten zeitgenössischen Jazz-Pianisten und Komponisten – kommt für einen seiner seltenen Soloabende nach München. Schon in seinen Zwanzigern spielte er in der Band der Jazz-Ikone Miles Davis und wirkte auf dessen Alben "Filles de...

Mehr Menschen in Konzerten als in Fußballstadien

Konzerte und klassische Live-Musik im Theater oder auf Musikfestivals haben vierzig Prozent mehr Besucher als die 1. Bundesliga im Fußballstadion. Das gab die Deutschen Orchestervereinigung (DOV) bekannt. „Ich bin überzeugt, dass wir gerade den Beginn einer Trendwende im Klassikbereich erleben“,...

Präsident des Dt. Bühnenvereins Khuon kritisiert Opernkritik in der "Zeit" als schwulenfeindlich

In einem offenen Brief kritisiert der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Ulrich Khuon, eine Kritik der Oper "Edward II" von Christine Lemke-Matwey in der "Zeit" als diskriminierend und schwulenfeindlich. Hier der Brief im Wortlaut: "Verblüfft und erschrocken lese ich...

Publikumsmagnet Elbphilharmonie: 1 Million Besucher auf der Plaza

Die Elbphilharmonie hat sich in weniger als vier Monaten zu einer der Sehenswürdigkeiten Deutschlands entwickelt. Alle Konzerte der laufenden Spielzeit sind ausverkauft, und auf der Plaza wurde heute die millionste Besucherin begrüßt. 111 Tage sind vergangen, seit am 5. November 2016 – gut zwei...

Das 360-Grad-Orchester - Münchner Philharmoniker präsentieren kommende Saison

Noch dezentraler wolle man agieren, noch mehr Publikum auch jenseits der Abonnenten ansprechen, die internationale Präsenz verstetigen. Das ist die Zielrichtung, die Intendant Paul Müller zusammen mit dem Chefidirigenten Valery Gergiev auch für die nächste und die weiteren Saisons ausgegeben haben....

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Sachte Katastrophenmusik

Foto: Jean-Louis Fernandez

Von der Schwierigkeit, Christoph Willibald Gluck gerecht zu werden: Alex Ollé von "La Fura dels Baus“ inszeniert in Lyon „Alceste“

Von Derek Weber

 (Lyon, 2. Mai 2017) Erdbeben, Sturmfluten, im Chaos hochkommende verheerende Führer, Kriege. All das befördert im Menschen vor allem eines: Angst, eine aus den Fugen geratene Welt nicht mehr steuern zu können. Das Unberechenbare zieht uns halt immer hinan, jagt uns Schauer über den Rücken.
Diese Furcht  gab es schon immer bei denen, die allzu lange im Sicheren lebten, zumal im alten Griechenland, ebenso in der Epoche, die der französischen Revolution voranging, und in der das unter der Oberfläche des Feudalismus brodelnde Chaos spürbar wurde. Damals wuchs neben der Sehnsucht nach einer heilen Welt auch die Furcht vor der Unberechenbarkeit von Entwicklungen, die sich ohne das Zutun der Menschen  – gleichsam über sie hinweg - Bahn brechen könnten. Antike Tragödien standen daher im 18. Jahrhundert hoch im Kurs. Und da Christoph Willibald Gluck einige von ihnen – unter ihnen die "Iphigenien"-Dramen " - vertonte, sprang das Interesse auch auf die Opernbühne über.
Und darum gibt es heute, in Zeiten neuer Unsicherheiten, auch den Nährboden für eine gewisse Gluck-Renaissance. Lange hat man diesen großen Komponisten ignoriert und ihn als naiven Arienschreiber verunglimpft, der eben zufällig auch ein "großer Opernreformator" gewesen sei. Das Repertoire der Opernhäuser sprach eine andere Sprache. Heute beginnt man ihn wieder zu verstehen. Auch die Oper in Lyon hat diese Chance ergriffen und spielt nun mit Glucks "Alceste" eine seiner großen Reformopern. Die Oper fußt auf Motiven der antiken Alkestis-Sage, der auch Euripides' gleichnamiges Drama entnommen ist. Berühmt geworden ist das Stück vor allem durch das von Glucks Librettisten Ranieri de Calzabigi verfasste Vorwort, in dem die essentials der Gluck'schen Opernreform zusammengefasst sind, die man am besten in Calzabigis eigenen Worten als Suche nach der "einfachen Schönheit" und als Überwindung des gekünstelten Stils der virtuosen Barockoper bezeichnen kann.

Dieser neue Ton ist bei Gluck vom ersten Takt der Ouvertüre der französischen Fassung von 1767 an hörbar, die ein Jahrzehnt nach der Wiener Uraufführung entstand und nun in Lyon der Oper vorangestellt ist. In Wien fiel das Werk damals durch, im fortgeschritteneren, kulturell und gesellschaftlich "reiferen" Pariser Milieu fand sie ihre Anhänger.
In Lyon wird dem Vorspiel ein Film unterlegt, der die (hypothetische) Vorgeschichte der Tragödie für moderne Menschen erzählt. Bei einem von Alceste verursachten Autounfall wird wird ihr Mann (Admet) beinahe getötet, und fällt ins Koma, einem Zustand zwischen Leben und Tod. Auch Alceste überlebt, erleidet aber einen Schock und verfällt in einen Trancezustand, der sich darin äußert, dass sie von der Vorstellung gefangen ist, an Stelle Admets sterben zu wollen. Dieser doppelte Dämmerzustand zweier Personen am Rande des Todes wird nachverfolgt, immer wieder aber durchbrochen durch mehr oder wenige banale Rituale wie Beileidsbezeugungen der Angehörigen, Feuerspielchen des Oberpriesters, Auftritte Appolos und das Erscheinen von Herkules.

Es sind also, anders ausgedrückt, in dieser von Alex Ollé von "La Fura dels Baus" erarbeiteten Regieversion nicht mehr die selbständigen Entscheidungen der Protagonisten, welche die Handlung motivieren und weitertragen, sondern eine Mischung aus psychologischen Mechanismen und Hypothesen und – quasi als Nebenkommentar die (vorhersehbaren) Verhaltensweisen der Umgebung der beiden vom Unglück Betroffenen. Das hat Regie-Längen und etliche Leerläufe auf der Bühne zur Folge.

Ollé hat sich einen - zugegebenermaßen nicht einfachen Weg - durch das Stück ausgesucht. Und vielleicht fallen dabei die Mühen der konsistenten Darstellung  auch deshalb stärker auf, weil das Bühnengeschehen in der musikalischen Umsetzung wenig Stütze findet. Diese verliert sich – angeleitet von Stefano Montanari - immer wieder in einem eleganten, aber unverbindlich bleibenden Konversations-Ton, dem allzu oft die Kanten fehlen und der erst am Ende zu einer verbindlicheren Aussage findet. Das hält dem Vergleich mit – um nur ein Beispiel zu benennen – dem behenden Tiefgang, den Diego Fasolis vor einiger Zeit bei der Salzburger "Iphigénie" erzielte, nicht stand.
Nichts Negatives zu berichten gibt's hingegen über die Sänger. Julien Behr verstand seinen kultivierten Tenor als Admet in allen Situationen zwischen Verzweiflung und Resignation changierend gut in Szene zu setzen. Karine Deshayes verlieh der Titelrolle starke Präsenz, auch wenn sie in den Acuti zu forcierten Schärfen neigte. Auch die Bässe (Alexandre Duhamel als Oberpriester und Thibault De Damas als Herkules) waren exzellent besetzt; dazu kam der Bariton-Apollo von Tomislav Lavoie.

Was bleibt als Resümee? Der schlichte Tonfall und die geradlinige Dramatizität der Gluck'schen Musik sind nicht leicht zu treffen. Das schreibt man wohl am besten dem Fehlen einer einigermaßen gesicherten Tradition der Interpretation zu. Im Fall der Lyoneser "Alceste" kann man fast von einer "französischen Krankheit" sprechen, die auf die Auffassungen bezüglich der Barockmusik zurückgeht, wie sie in der vorletzten Jahrhundertwende Gang und Gäbe waren. Das Pendant zur Schnörkellosigkeit aber muß, darf und kann nicht "Unverbindlichkeit" heißen, auch wenn der Dirigent es sicher nicht so gemeint haben wird.