"4"

Vom Leben zu viert

Quatuor Ebène Foto: Daniel Kutschinski

Daniel Kutschinskis beeindruckender Dokumentarfilm „4“ über das Quatuor Ebène ist jetzt wieder in einigen Kinos zu sehen
Von Georg Rudiger
Die erste Einstellung zeigt das Quatuor Ebène auf einem Monitor im Backstagebereich. Dann kommen die vier Musiker von der Bühne – und die Handkamera von Arnd Buss-von Kuk ist dicht dabei. Nicht mit einem Bühnenauftritt beginnt der Film, sondern mit den Momenten danach. In Daniel Kutschinskis prämiertem Dokumentarfilm „4“ (1. Preis in Los Angeles) über das 1999 gegründete französische Streichquartett geht es nicht um die glänzende Fassade eines formidablen Ensembles, sondern um die Brüche und Risse, die auf den ersten Blick nicht zu sehen sind. Über Jahre hinweg hat der Münchner Filmemacher das Quartett auf seinen Reisen und seinen Proben begleitet. Er war mit ihnen im Auto, am Flughafen und im Restaurant nach dem Konzert. Selbst ins Hotelzimmer folgte er den Musikern. Dabei ist er als Regisseur kaum spürbar. Kutschinski stellt keine Fragen und inszeniert keine Situationen. Er ist der unsichtbare Gast, der Zeuge wird von emotionalen Diskussionen, von Verletzungen und Verunsicherungen.
Die Arbeit in einem Streichquartett ist hart. Es geht um das Feilen an der Intonation und an der Balance, um Phrasierung und Klangfarbe. Es geht aber auch um Nähe und Distanz – um Euphorie, Wut und Enttäuschung. Kutschinski ist dabei, wenn Cellist Raphaël Merlin eine Probe abbricht oder der Bratschist Mathieu Herzog, der inzwischen das Ensemble verlassen hat und von Adrien Boisseau ersetzt wurde, sein eigenes Spiel verachtet. Lange hält die Kamera drauf auf die erhitzten Diskussionen oder auf Momente der Einsamkeit, als etwa Primarius Pierre Colombet nach einer chaotischen Probe ganz alleine auf der Bühne ein wenig Halt in ein paar Tönen sucht. Eine Bartók-Probe mit Eberhard Feltz wird immer wieder in den Film geschnitten, der keinen echten Anfang und kein Ende hat. Manches Mal wünscht man sich ein bisschen mehr Führung. Die Konzertorte, die Musikstücke – nichts wird erklärt oder untertitelt. Aber dieses rein Beobachtende ist die eigene Sprache dieses Films, der eben nur dokumentieren, nichts bewerten oder einordnen möchte. Und dem es gelingt, magische Momente einzufangen, wenn die Musiker gemeinsam einen Jazzstandard auf Youtube anschauen und sich die Akkorde notieren oder im Auto während einer Nachtfahrt Mozarts „O Du eselhafter Martin“ singen.
Der Film ist am Mittwoch, 4. Januar, 17:00 Uhr, Freitag, 6. Januar, 14:40 Uhr, Samstag, 7. Januar, 13:10 Uhr, Sonntag, 8. Januar, 14:40 Uhr, Samstag, 14. Januar, 12:10 Uhr und Sonntag, 15. Januar, 12:10 Uhr im Münchner Monpol-Kino zu sehen.

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