25 Jahre Henschel-Quartett

Fest-Musik

Das Henschel-Quartett feiert sein 25-jähriges Bestehen mit einem Konzert in München und einer neuen CD

Von Klaus Kalchschmid

(München, 25. Oktober 2019) Beinahe hätte es das Henschel-Quartett, das jetzt sein 25. Bühnenjubiläum feiert, nie als Profi-Ensemble gegeben. Denn Monika, Markus und Christoph Henschel mussten 1994 ihrem Lehrer Franz Beyer gestehen, dass sie einfach keinen passenden Cellisten fänden und ihren Traum vom Quartett-Spiel wohl aufgeben müssten. Das wollte dieser freilich nicht zulassen und stellte einen Kontakt zu Mathias Beyer-Karlshøj her. Und der erwies sich schnell als der lang ersehnte Partner, auf den man Jahre gehofft, und der seinerseits schon auf einen Anruf gewartet hatte.

Nun gibt es das Henschel-Quartett schon 25 Jahre und zum Festkonzert lud es das Delian Ensemble in die vollbesetzte Allerheiligen Hofkirche ein, um mit ihnen Mendelssohns Oktett Es-Dur op. 20 zu spielen. Als Partner am Flügel für das Klavierquintett f-moll op. 34 von Johannes Brahms gewannen sie den mit 26 Jahren zum Jubiläum perfekt passenden Amadeus Wiesensee. Sogar ein klingendes Präsent gibt es: die Uraufführung des Stücks „Kaleidoskop“ von Steffen Wick. Kleine tonale Schnipsel verschiedenster Bauart, von einzelnen Streichern mehrfach wiederholt, formieren sich zum Bild, werden kurz durchgeschüttelt und ergeben eine neue Konstellation mit ähnlichem Material.

Gründungsmitglied Markus Henschel war 16 Jahre lang dabei, jetzt sitzt er im Publikum und applaudiert begeistert. Ihn zu ersetzen war wohl nicht einfach, denn erst vor kurzem stieß Teresa la Cour als zweite Geigerin zum Quartett. Doch davon merkt man beim Brahms-Quintett kaum etwas, so verhalten und homogen der Beginn. Aber auch als später immer wieder die große, fast symphonische Geste nötig wird, gelingt dies den Henschels in jeder Hinsicht souverän. Amadeus Wiesensee ist an einem oft im Hintergrund bleibenden Steingräber-Flügel keineswegs das fünfte Rad am Wagen, sondern gestaltet auf Augenhöhe mit.

Die Anforderungen des Mendelssohn-Oktetts sind andere: Acht Solisten musizieren da, sind aber zugleich ein hoch virtuoses Streichorchester. Es dauert etwas, bis sich ab dem Scherzo eine duftig wuselige Elfen-Heiterkeit à la „Sommernachtstraum“ einstellt. Mit dem Presto-Finale herrscht dann die perfekte Übereinstimmung. Und nie muss man fürchten, dass es den einen oder anderen in diesem rasanten, dichten Gewebe mal aus der Kurve trägt.

Auch auf der jüngsten CD des Henschel Quartetts für Solo Musica schillert dieses Oktett – hier zusammen mit dem ebenfalls in München beheimateten Diogenes Quartett – in den schönsten Farben. Statt Brahms aber gibt es Franz Schuberts Forellen-Quintett – mit Gerold Hubert am Flügel und der Kontrabassistin Alexandra Hengstebeck vom Bayerischen Staatsorchester. Wehmut und Leichtigkeit, emotionale Intensität und frisch zupackendes Musizieren halten sich die Waage oder wechseln sich ab. Traumhaft verhalten und zart schwebend beginnt der Variationensatz über „Die Forelle“ und verliert trotz aller Wechsel im Charakter der einzelnen Variationen nie eine gewisse, zauberhafte, herrlich „singende“ Lockerheit. Das Henschel Quartett hätte sich selbst und uns kein schöneres Geschenk zum 25. Geburtstag machen können!

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