Facetten eine Künstlers

"25 Klassiker" - Herausgegeben von Wolfgang Sandner
Piper Verlag, 223 Seiten, 39,90 Euro

Natürlich ist das Buch kein Ersatz für den lebendigen Eindruck, den ein Konzertbesuch von den Musikern auf dem Podium vermittelt. Von ihrer Konzentration und Emotionalität, ihrer Hingabe und Versenkung. Selbst die besten Musikerporträts können diesen Eindruck nicht ersetzen. Aber sie können wie im Fall des Buchs "25 Klassiker" den Facetten einer Künstlerpersönlichkeit in Text und Bild nachspüren, sie auf ganz eigene Weise lebendig werden lassen. Sehr persönlich sind die Porträts, die der Musikjournalist Wolfgang Sandner für seinen großformatigen Bild- und Textband zusammengetragen hat. Die Autorenliste enthält Namen wie den Schriftsteller Hans-Ulrich Treichel, Eva Demski, Elke Heidenreich oder André Heller. Letzterer nähert sich auf seine ihm eigene, dem Kitsch nicht ferne Weise dem Phänomen Jessye Norman und beschreibt die Kunst dieser Ausnahmesängerin als "Wolkenschieberei", als Musik, die die Kraft besitzt, Wolken zu bewegen. Sachlicher, aber dennoch suggestiv porträtiert Dirk Schümer die priesterliche Grandezza des Pianisten Arturo Benedetti Michelangeli. Es sind Menschen-Porträts, die zumeist über die Persönlichkeit der jeweiligen Musiker deren musikalische Ausdruckskraft zu charakterisieren versuchen. Wobei die großformatigen exzellenten Fotografien nicht weniger als die Texte zur Charakterisierung beitragen. Zum Beispiel das Foto von Vladimir Horowitz, wie er auf einem Bein durch die Reihen eines vollbesetzten Konzertsaals tanzt, verfolgt von den mißmutigen Blicken seiner Frau Wanda. Ein charmanter Grandseigneur mit clownesken Zügen, der Smetana für bedeutender hielt als Beethoven.

Robert Jungwirth

 


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