Aber nicht nur darum. Sie scheuen ja auch Mozart. Für Kinder zu leicht, für Erwachsene zu schwer - daran dürfte es liegen. Schmid und Hartmann scheuten Mozart dieses Jahr jedenfalls nicht und fanden auch die richtigen Leute dafür. Die beherzten Original-Musikerinnen und Musiker von "Anima Eterna" aus Brügge unter ihrem unerschrockenen Leiter Jos van Immerseel. Der hatte ja 2009 in Regensburgs Velodrom den Versuch gezeigt, wie Liszt und Berlioz historisch klingen. Bei Mozart geht das besser, denn da ist einfach mehr Substanz. Ein Komponist, der nie schwächelte. Dem Genius quasi Ton für Ton durfte, ja musste man in Anima Eternas Interpretation der drei großen Symphonien Mozarts, Es-Dur, g-Moll und C-Dur, im klassizistischen Neuhaussaal folgen. Musste, weil die Akustik dort so trocken ist, dass wirklich kein Ton verloren geht - auch kein verstimmter, im Übrigen. Aber egal, in der Kargheit liegt die Tugend und das Fehlen von Hall gab freien Blick auf die Muskeln und Sehnen der Musik. Was für durchmodellierte Klang-Athleten stellte Immerseel da aus, welch kraftstrotzenden Gesten und Haltungen. Man konnte Mozarts Ideenfluss praktisch durch den eigenen Kopf strömen fühlen, sah die Motive wie Skulpturen vor sich entstehen, die von ihrem Meister aufeinander losgelassen werden, damit sie immer neue Formen bilden. Immerseel präsentierte Mozart als unerschöpflichen Verwandler, als unerschöpflichen Genuss. Je näher man ihm auf den Leib rückt, desto faszinierendere Details leuchten auf. Schließlich wollte man Anima Eterna gar nicht mehr gehen lassen. Aber an eine Zugabe war wirklich nicht mehr zu denken.
In St. Oswald gab es Händels Oratorium "La Resurrezione" zu hören. Das ist ein hochambitionierter Geniestreich des damals 23-jährigen Komponisten auf seinem Rom-Aufenthalt, als er Kardinälen, Adligen und der Komponisten-Konkurrenz einmal zeigen wollte, was ein Organist aus Halle aus der Melodienflut Italiens heraus zu holen wusste. In Regensburg gab das tschechische "Collegium 1704" mit einer Gruppe ausgezeichneter Gesangssolisten diesem Anspruch unanfechtbare Bestätigung. Da passte alles, Tempo, Timing, Transparenz. Sowohl Musiker als auch Sänger legten Bravour ohne Ende an den Tag. Es saßen zwar keine römischen Kardinäle im Publikum, aber man musizierte mit einem Elan, als sei die Kirche voll davon gewesen.