Hildegard Behrens ist tot

Hildegard Behrens als Salome bei den Salzburger Festspielen 1977. Bild: SF

Eine der bedeutendsten deutschen Sängerinnen, Hildegard Behrens, ist tot. Die dramatische Sopranistin starb 72-jährig in der Nacht auf Mittwoch (unserer Zeit) in einem Krankenhaus in Tokio.

(Tokio, Wien, 19. August 2009) Behrens erlag vermutlich einem Aneurysma, einem Riss der Hauptschlagader. Die Sängerin hielt sich in Tokio auf, um dort an einem Musikfestival teilzunehmen.

Die Karriere der 1937 geborenen Sängerin begann, als sie 1977 von Herbert von Karajan entdeckt und sogleich als "Salome" für die Salzburger Festspiele verpflichtet wurde. "Zehn Jahre habe ich auf eine Salome gewartet. Vielleicht habe ich sie jetzt gefunden" soll Karajan gesagt haben, als er die schon 40-jährige Behrens bei einer Probe von Bergs "Wozzeck" in der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf hörte. Aus dieser Entdeckung wurde eine der bekanntesten deutschen Sängerinnen, die sich besonders in den großen dramatischen Rollen von Strauss und Wagner profilierte. Elektra und Isolde galten als ihre Schlüsselpartien. Legendär wurde ihre Mitwirkung als Isolde in der konzertanten Aufführung von "Tristan und Isolde" unter Leonard Bernstein in München.

Behrens begann ihre Sängerinnenlaufbahn als Spätberufene. Die aus einer Medizinerfamilie im niedersächsischen Varel stammende Künstlerin studierte zunächst Jura, ehe sie sich mit 30 Jahren an die Gesangsausbildung machte. Sie absolvierte das Opernstudio in Düsseldorf und sang dann als Elevin und in Nebenrollen. Ihre Entdeckung durch Karajan führte zu einer Sensation bei den Salzburger Festspielen und machte sie zum Weltstar.

Mit einer Vorliebe für kritisch-intellektuelle Rollengestaltung widmete sie sich auch dem Repertoire des 20. Jahrhunderts. So prägte sie mit ihren Interpretationen die Titelfigur Katarina Ismailowa aus Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk und der Jenufa aus Leos Janaceks gleichnamiger Oper. 1999 wurden die Salzburger Festspiele mit Luciano Berios Oper "Cronaca del Luogo" eröffnet, die der Komponist ihr gewidmet hatte.

Nach dieser Zeit begann Hildegard Behrens zu unterrichten und verstärkte ihre Konzerttätigkeit. Beim Kusatsu-Musikfestival in Tokio hätte sie einen Liederabend geben und anschließend einen Meisterkurs abhalten sollen. Behrens soll in Wien beigesetzt werden.

Laszlo Molnar