25 Jahre Abenteuer Alte Musik

Konzert im Reichsaal zu Regensburg, dem Höhepunkt unter den Veranstaltungsorten der "Tage Alter Musik" Bild: Tage Alter Musik

Zu Pfingsten (29. Mai bis 1. Juni) finden wieder die "Tage Alter Musik Regensburg" statt. 25 Jahre ist das Festival alt, aber Zeichen der Ermüdung sind nicht zu sehen.

(Regensburg, 29. Mai 2009) Heute, Freitag, beginnen in Regensburg wieder die Tage Alter Musik. Noch nie war dieses Festival nur "irgend ein" Festival. Es war schon immer "das" Festival der Alten Musik in Deutschland. Hier waren so oft jene Leute erstmals live zu hören, die der Fan der Alten Musik und der historischen Aufführungspraxis nur von der Schallplatte, später der CD kannte. Von der Schallplatte, ja; das heißt, dass es die Tage Alter Musik in Regensburg schon recht lange gibt, und zwar schon so lange, dass es heuer wieder ein Jubiläum zu feiern gibt. 25 Jahre ist es her, dass das Festival von zwei ehemaligen Regensburger Domspatzen, Ludwig Hartmann und Stephan Schmidt, ins Leben gerufen wurde, im Jahr 1984. Und seither auch am Leben gehalten wurde, mit unablässiger Begeisterung und jener Zähigkeit, ohne die auf einem so spezialisierten Gebiet einfach nichts weiter ginge.

Allerdings hatte die prachtvolle Stadt Regensburg sowohl die Nonchalance als auch die Klugheit, ihre Schätze - unvergleichliche historische Räume in Kirchen und öffentlichen Bauten - den beiden Besessenen kostenlos oder wenigsten so günstig für ihr Festival-Wochenende zur Verfügung zu stellen, dass sie aus dem Karteneinnahmen, einem moderaten Zuschuss der Stadt und Einnahmen aus Rundfunkaufzeichnungen jene Künstler nach Regensburg holen konnten, die an der Spitze der Entdeckung der Alten Musik standen. The Hilliard Ensemble, Ton Koopman, The Gothic Voices, London Baroque, La Grande Ecurie et la Chambre du Roi, Andreas Staier, Die Akademie für Alte Musik Berlin, DDR; Il Giardino Armonico bis zu Vorstößen in weit in die Romantik hinein mit dem Sinfonieorchester Anima Eterna. Und dazu viele andere, die vielleicht nicht so berühmt geworden sind, aber dafür Alte Musik mit ihrem ganzen Herzblut machen.

Gerade das Unspektakuläre, das an der Sache Begeisterte und souverän aus der Geschichte Schöpfende ist es, das an den Tagen Alter Musik in Regensburg immer aufs Neue fasziniert. Die Veranstalter trauen sich an das ganze Spektrum heran und haben jedes Jahr auch die Troubadoure und "Gaukler" zu Gast, die eher zum volkstümlichen Bereich der Alten Musik gehören und die ihre festen Freunde gefunden haben. Da darf man dann wieder erfahren, dass Musik schon immer auch zur puren Unterhaltung geschrieben wurde, dass sie aber zu jeder Zeit eines unabdingbar brauchte: gute Musiker.

Hier stoßen die Veranstalter in Regensburg mit geradezu untrüglichem Sinn fast immer auf die "Idealbesetzungen". Und die Musiker auf ein Publikum, das mit hellwachen Sinnen in die Konzerte strömt und dort ganz bei der Musik ist.

25 Jahre Tage Alter Musik in Regensburg - vor erst fünf Jahren wurden 20 Jahre gefeiert und man sieht, dass das nicht verfrüht war. Hier geht es mit voller Kraft weiter, das Festprogramm ist ausgesucht aber nicht exzessiv. Es zeigt, dass die Alte-Musik-Szene sich ihre Energien aus Quellen holt, die mit denen des gebeutelten und strapazierten "Musik-Marktes" offenbar nichts zu tun haben.

Das Jubiläumsfestival wird am 29. Mai eröffnet mit Musik von Mozart (die "Linzer Symphonie" und die c-moll-Messe mit dem L'Orfeo Barockorchester und den Regensburger Domspatzen) und geht am Montag, dem 1. Juni, mit einer Aufführung von Claudio Monteverdis Oper "L'Incoronazione di Poppea" mit dem Ensemble "La Venexiana" zu Ende. Was dazwischen zu hören und zu sehen ist, zeigt sehr übersichtlich die Hompage des Festivals: http://www.tagealtermusik-regensburg.de.

Laszlo Molnar