Absolut poetisch

Eine kleine, feine Monografie von Andreas Eichhorn, erschienen bei C.H. Beck Wissen (7,90 Euro) vermittelt ein konzentriertes, genaues und aufschlussreiches Bild Felix Mendelssohn-Bartholdys.

Der Autor widment sich der Erziehung des jungen Felix und seiner umfassenden Bildung; Eichhorn - Professor für Musikpädagogik in Köln - beleuchtet die Beziehung zur als Komponistin nicht minder begabten geliebten Schwester wie seine ausgedehnten (Studien-)Reisen und die umfangreiche, kräftezehrende europaweite Tätigkeit als Dirigent, Pianist und Organisator. Das Verdienst, das sich Mendelssohn nicht nur mit der Gründung der ersten Musikakademie und mit der Wiederaufführung der Matthäus-Passion 1829 (und anderer Werke Bachs) erworben hat, sondern auch die von ihm initiierte Händel-Pflege (beginnend mit "Israel in Egypt"), seine "Historischen Konzerte" und das Interesse für die "Alte Musik" eines Palestrina etwa, werden entsprechend gewürdigt. Lesenswert ist nicht zuletzt das abschließende Kapitel, das der wechselvollen Rezeption eines Werks gilt, das das "ästhetische Ideal einer poetisch durchdrungenen, aber dennoch absoluten Musik [verkörpert], die artifiziellen Anspruch und universelle, kommentarlose Verständlichkeit miteinander verbindet"; eines Werks, das deswegen von Wagner in seinem Pamphlet "Das Judentum in der Musik" geschmäht und - wegen der jüdischen Provenienz - von den Nazis verboten wurde.

Klaus Kalchschmid