Musikalische Verwandschaften

Hans Landesmann. Bild: Doris Wild/Salzburg Biennale

In Salzburg ist eigentlich immer Festspielzeit. Nach der Mozartwoche im Januar und vor den Osterfestspielen erwartet ab kommendem Wochenende die "Salzburg Biennale" ihre Besucher, ein neues Festival für zeitgenössische Musik. Das Besondere daran ist, dass sich "zeitgenössisch" nicht auf die "ernste" Musik alleine bezieht. Im Gespräch mit KlassikInfo.de erklärt der künstlerische Leiter der "Salzburg Biennale", Hans Landesmann, wie die Biennale Neues mit Traditionellem in Verbindung bringt.

Herr Landesmann, die "Salzburg Biennale" findet zu ersten Mal statt. Was ist die Idee? Was ist der Hintergrund?

"Die Idee basiert auf zwei Säulen. Die erste war, dass mir klar wurde, wie viele gute Leute und Institutionen es in Salzburg für die zeitgenössische Musik gibt, dass diese aber einzeln zu schwach sind, um wirklich etwas Nachhaltiges für die Zeitgenössische Musik zu Wege zu bringen. Mir schwebte vor, etwas zu veranstalten, dass noch lange Zeit über Salzburg hinaus wirken kann. Wenn man die Kräfte zusammenspannt, darunter die Universität Mozarteum, die Stiftung Mozarteum und das Österreichische Ensemble für Neue Musik, OENM, dann kann das gehen.
Der Hintergrund liegt noch im Mozartjahr 2006, als es in Salzburg ein Kulturprojekt mit dem Titel "Kontracom" gab. Dazu gehörte bildende Kunst, Kunst am Bau und auch zeitgenössische Musik. Die ganze Stadt war einbezogen. Das sollte längerfristig über das Mozartjahr hinauswirken und weiterwirken, und so war auch das Budget angelegt. Wir haben uns Gedanken gemacht, wie man dieses Geld weiter im Sinne des ursprünglichen Vorhabens verwenden kann."

Wie sieht dieses Budget aus?

"Es kommt von der Stadt Salzburg und vom Tourismusverband Salzburger Altstadt. Es kam noch etwas vom Land Salzburg und vom Bund Österreich dazu, sowie Geld von Sponsoren und Stiftern."

Wodurch soll sich die Salzburg Biennale vom bisherigen Angebot in Salzburg unterscheiden?

"Ich habe mir gedacht, dass etwas, das in Salzburg wenig vorhanden ist und deshalb besonders interessant sein könnte, die Verbindung unserer zeitgenössischen Musik mit Musiken aus anderen Kulturen ist. Eine Art "World Music", aber nicht, was man in der Pop-Musik darunter versteht. Uns geht es darum, die authentische Musik anderer Kulturen zu zeigen, von der sich westliche Komponisten inspirieren lassen. So haben wir die vier Komponisten Beat Furrer, Steve Reich, Tohsio Hosokawa und Klaus Huber kontaktiert. Diese haben alle "Wahlverwandtschaften" mit anderen Musikkulturen. Bei Klaus Huber ist das die arabische Musik, bei Hosokawa die japanische, für Steve Reich der balinesische Gamelan und bei Furrer, zu meiner sehr großen Überraschung, der Flamenco und der cante jondo, ein hoch emotioneller Gesang aus Spanien. Dieses Programm hat den Verantwortlichen von Stadt und Land Salzburg sehr gut gefallen und es wurde beschlossen, dass wir das machen können."

Wann findet diese erste Salzburg Biennale statt?

"Nun ab 5. März, an vier aufeinander folgenden Wochenenden, jeweils von Donnerstag bis Sonntag. Jedes der Wochenenden steht für einen der Komponisten, die ich genannt habe und die dazu gehörigen "Wahlverwandten". Am Anfang steht Beat Furrer, dann kommt Steve Reich,  darauf Toshio Hosokawa und zum Schluss Klaus Huber."

Sind die Komponisten an den Wochenenden selbst da?

"Ja, sie sind da. Sie geben auch Kompositionskurse an der Musikuniversität."

Wie werden die traditionellen Musiken aufgeführt? Wurden dafür spezielle Musiker eingeladen?

"Ja, die kommen alle aus den jeweiligen Ländern. Sie werden nicht nur in den Konzerten spielen, sondern auch Workshops abhalten. Das sind alles Künstler und Ensembles, die mit den Komponisten abgestimmt wurden. Die Idee ist ja, dass "unsere" zeitgenössischen Komponisten  den Musikern begegnen, denen sie ganz entscheidende Anregungen verdanken."

An welchen Orten in Salzburg werden die Veranstaltungen stattfinden?

"In der Stiftung Mozarteum, in den beiden Sälen der Universität Mozarteum, dem "Großen Studio" und dem "Solitär", und dazu im "Republic". Zum Programm gehört auch Tanz und Gesang, also nicht nur Instrumentalmusik, denn das gehört zur Musikkultur unserer Gastländer ja dazu. Am balinesischen Wochenende mit Steve Reich werden zum Beispiel am 14. März ein Tanzensemble und ein Gamelanorchester aus Bali traditionelle Tänze der Insel aufführen."

A propos Tanz: wie kommt Beat Furrer dazu, sich nur gerade mit dem Flamenco zu beschäftigen?

"Furrer arbeitet und lebt zur Zeit sehr viel in Spanien und arbeitet mit dortigen Ensembles sowie mit dem Komponisten Mauricio Sotelo zusammen, der sich ebenfalls mit Flamenco und dem cante jondo beschäftigt. Werke von Sotelo werden dann auch am ersten Wochenende der Biennale zu hören sein. Ich bin schon sehr gespannt, wie dem Publikum diese Kombination gefallen wird. Es sind ja doch in jeder Hinsicht ungewöhnliche Klänge."

In einem der Konzerte wird das japanische Instrument Sho, das sehr schwierig zu spielen sein soll, eine zentrale Rolle spielen...

"Ja, in den Konzerten am 19. und 20. März spielt der sho eine zentrale Rolle. Hosokawa kombiniert diese "Mundorgel" mit einem westlichen Orchester und schafft damit eine ganz eigene Art musikalischer Poesie. Aber auch die Bambusflöte und der koto, die japanische Zither, werden an diesem Wochenende ausführlich zu hören sein. Dieses japanische Wochenende wird übrigens federführend von der Internationalen Stiftung Mozarteum organisiert. Wir hoffen also sehr, dass möglichst viele Menschen auf diese ungewöhnlichen Begegnungen neugierig sein werden. Und wir hoffen auch auf die Besucher aus unserer "Nachbarstadt" München. Es gibt ja auch ein sehr interessantes Rahmenprogramm. Dazu gehört die Ausstellung "Fuentes" in der Galerie Ropac und das Filmfestival "Interkultureller Dialog in Bildern" im Filmkulturzentrum "Das Kino". Alle wichtigen Informationen, zu den Komponisten, den Konzerten, den Musikern, auch zum umfassenden Rahmenprogramm, gibt es auf www.salzburgbiennale.at."

Und die nächste Biennale folgt dann 2011?

"Das haben wir vor."

Das Gespräch führte Laszlo Molnar