Solche Eindrücke konnte das zweite Wochenende, 12. bis 15. März, nur bestätigen. Der amerikanische Komponist Steve Reich war sein westlicher Protagonist, die Gamelan-Musik aus Bali sein geistiger Verwandter. Reich ist einer der Protagonisten der amerikanischen "Minimal-Music". Etwa zeitgleich mit Philipp Glass kreierte er seinen Stil; der New Yorker Reich ist der "Konstrukteur" unter den Minimalisten, zu denen neben Reich und Glass vor allem noch John Adams und Terry Riley gezählt werden. Er entwickelte seine Kompostionstechnik aus der Wiederholung kleiner rhythmischer Muster, die sich in mehreren Stimmen überlagern und neue Muster hervorbringen. Spätestens nach seiner Komposition "Tehilim" integrierte er auch akkordische Elemente, später auch Film ("Video-Operas") in seine Kompositionen. Wesentliche Anregungen für seinen Stil erhielt Reich aus der Musik Balis und Afrikas.
Über künstlerische Zusammenhänge zu theoretisieren, vielleicht sogar einen Aufsatz zu schreiben, ist das eine. Aber sie leib- und wahrhaftig zu hören, das ist ein anderes Erlebnis. Der Vollständigkeit halber hätte zu Steve Reich - der Komponist war anwesend - auch Musik aus Afrika gehört: seine Komposition "Drummings" und die "Clapping Music" für vier klatschende Hände (am Sonntag) verdankt sich afrikanischen Trommeltechniken. Aber das Klangwogen der "Music for 18 Musicians" (1976) schwingt auf einer Wellenlänge mit den rhythmischen Wechseln und den immer neuen motivischen Konstellationen, wie sie für den Gamelan kennzeichnend sind. Gänsehaut war auch hier angesagt: das "Österreichische Ensemble für Neue Musik" machte, zusammen mit der Salzburger Schlagzeugformation "Via Nova Percussion Group" und mit Sängerinnen der Londoner "Synergy Vocals", aus Reichs Wiederholungsmustern einen so pulsierenden Klangkosmos, dass man nach diesen Klängen geradezu greifen wollte. Phänomenal, für wie viel Arbeit an der Artikulation von Streicher-, Bläser- und Marimbaphon-Klängen in diesem Werk Platz ist, wie die Salzburger Musiker die Herausforderung geradezu suchten, in Reichs vermeintlich monotoner, weil von Wiederholung geprägter Musik den Pulsschlag zu finden. Eine Meisterleistung, ein Referenz-Ereignis.