Bühnen- und Kostümbildnerin Stefanie Pasterkamp hat für die präzise, schnörkellose, aber teilweise minutiös choreographierte Inszenierung von Johannes Erath eine wie grauer Beton wirkende abschüssige Fläche um die Stahlträger des alten Tramdepots gegossen. In der Mitte klafft ein Spalt in Form weißer Stufen, die im leeren Raum enden, als himmlische Jakobsleiter und irdische Showtreppe oder beides zugleich benutzbar. Dieser Raum lässt sich wunderbar als Simultanbühne verwenden, vor der das relativ kleine Orchester platziert ist: 19 Streicher, sparsame Bläserbesetzung, aber je zwei Keyboard-Spieler, Gitarristen, Saxophonisten und vier Schlagzeuger, oft an Melodieinstrumenten wie Marimbaphonen. Schon daran lässt sich ablesen, wie irisierend das Klangbild dieser Oper sein darf, wie zart gesponnen meist die musikalischen Kokons um die Figuren sind, wie fein die Musical-Allusionen. Nur selten bricht dieser ebenso dichte wie durchsichtige Klangvorhang auf, faltet er sich für Momente dramatisch. Der junge Erik Nielsen dirigiert die exquisite Partitur mit ebenso viel Feingefühl wie Eleganz. Und das Frankfurter Museumsorchester musiziert samt Gästen mit eminenter Sensibilität, Klarheit und Klangsinnlichkeit.
Auch im exzellenten Sängerensemble, das mit Mikroports ausgestattet ist, gibt es keinen Ausfall, dafür viele beglückende Einzelleistungen: etwa Peter Marsh mit schönem, hell und weich timbriertem Tenor als Louis (und Angel Oceania) und der nicht minder intensiv agierende, wenn auch am Ende leicht heiser gesungene Tenor Michael McCowns als Prior. Irisierend und phänomenal genau in seinen tänzerischen Bewegungen: der männliche Sopran Jeffrey Kim (Mr. Lies/Belize/Woman/Angel Africani). Die finnische Mezzosopranistin Jenny Carlstedt singt und spielt Harper/Ethel Rosenberg/Angel Antarctica mit bewundernswerter Charakterisierungskunst; auch ihre Fachkollegin Christine-Marie Hill war in jeder ihrer Rollen (Rabbi/Hannah/Henry/Angel Asiatica) perfekt. Last but not least gab Dietrich Volle dem Macho-Kotzbrocken Roy Cohn eindringliches Profil.
Klaus Kalchschmid
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