2008 Lyriarte

Großes Fest mit kleinen Mitteln

„Una Festa barocca“: Das Ensemble „Lyriarte“ brillierte mit Kammermusik der Veracinis, von Hasse und Bach in der Alten Pinakothek in München
Obwohl sich München nie ein solches Etikett angehängt hat, ist die Stadt doch zu einem Zentrum der alten Musik und der historischen Aufführungspraxis geworden. In Summe wohnen und agieren hier wohl mehr Musiker und Ensembles der historischen Aufführungspraxis als zum Beispiel im als Hochburg bekannten Köln. Vom Händel-Engagement des Bayerischen Staatsorchesters gar nicht zu reden.
Einen weiteren Hinweis dafür gab das Konzert des Ensembles „Lyriarte“
in der Alten Pinakothek am Freitag. „Lyriarte“ wurde von den in München lebenden Musikern Rüdiger Lotter (Violine, er ist Stimmführer der zweiten Violinen des Münchner Kammerorchesters) und Olga Watts (Cembalo, Orgel) gegründet und zählt so exzellente Musiker wie die Blockflötistin Dorothee Oberlinger, den Lautenisten Axel Wolf und die Cellistin Kristin von der Goltz (die Schwester von Gottfried von der Goltz, dem Konzertmeister des Freiburger Barockorchesters) zu seinen festen Mitgliedern.
In der Pinakothek spielten diese Musiker unter dem Motto „Una festa barocca“ vor vollbesetzten Reihen Kammermusik von Antonio und Francesco Maria Veracini, Johann Adolf Hasse und J.S. Bach. Das Wort „Fest“ war berechtigt: die kleine Besetzung des Ensembles wird wett gemacht durch höchste Virtuosität der Stücke. Besonders die Stücke der Veracinis – der bekanntere Francesco Maria war der Neffe Antonios – stellen die Solisten vor größte Herausforderungen und belohnen sie mit der reichlich Anlass zum Brillieren. Alle Musiker von „Lyriarte“ zeigten sich massiv bei ihrer Ehre gepackt. Nicht nur die Solisten Oberlinger und Lotter nutzen in der Pinakothek ihre Chance – ein nicht weniger großer Vergnügen war es, den hevorragenden Continuo-Spielern zuzuhören.
Die Musik der Veracinis gibt sich oft – harmonisch wie melodisch – experimentell. Die Italiener liebten es, hin und wieder die Grenzen ihrer Instrumente erkunden. Da gaben die Werke von Hasse (darunter eine exquisite Sonate für Laute solo) und Bach dem Konzert eine gewisse Fassung und einen formalen Halt.
Ein hochkarätiger Barock-Abend (auch dank der Umgebung aus Gemälden von Tizian und Veronese), der den Rang Münchens als Hort der Alten Musik nachhaltig bekräftigte.
Mit der soeben erschienenen CD von „Lyriarte“ mit den im Konzert gespielten Veracini-Sonaten (und einigen mehr, oehms classics OC 720) kann man sich das barocke Fest zu Hause noch verlängern und vertiefen: der gelegentliche Einsatz der Truhenorgel statt des Cembalos ist ein großer klanglicher Gewinn, und das Spiel aller Musiker lässt sich in seiner überragenden Qualität noch konzentrierter verfolgen. 
Laszlo Molnar

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