Die neue "Alte"

"Salomix-max". Salome Kammer, Stimme. Rudi Spring, Klavier, Cembalo, Arrangements. Wergo 6709 2.

Es war in den guten alten 1950er Jahren, als Elisabeth Schwarzkopf mit Walter Gieseking Mozarts Lied "Die Alte" aufnahm. Parodie unter Wohlklang-Lackschichten. Salome Kammer geht das Stück sozusagen von der anderen Seite an. Die ehemalige Schauspielerin, die erst mit 32 Jahren Gesangsunterricht nahm, stellt in jeder Strophe eine andere "Alte" auf die imaginäre Bühne, die in verschiedenen Dialekten, mal mit und mal ohne Zähne, über die "gute Zeit" jammert. Auf der CD "Salomix-max" breitet Salome Kammer ihre ganze Kunst aus. Von den parodistischen Mozart-Schmunzeleien über die hörspielartigen Nachfolgestücke "Die Alte" und "Emil" von Carola Bauckholt, Rudi Springs "Fragmentarische Szenen" und die expressiv strengen Lieder op. 2 von Alban Berg bis zu drei Weill-Songs, in denen Kammer, wenn nicht die Hosen, so wenigstens einen Hosenanzug trägt. Nicht Schwarzkopf stand Pate für die Aufnahme, sondern die Stimmkünstlerin Cathy Berberian. Folglich darf Luciano Berios ihr gewidmete "Sequenza III" von 1965 nicht fehlen. Hier liegt die Basis für Kompositionen, die, vierzig Jahre später, Kammer gewidmet sind: von Carola Bauckholt, Helmut Oehring, Rudi Spring. Die CD amüsiert, überrascht durch ihre Vielfalt und inhaltlichen Bezüge. Was Kammer bei den nicht leichten Berg-Liedern in vibratoloser Tondeutlichkeit schafft, ist zumindest beachtlich.
Benjamin Herzog

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