Immer am Limit

Bürgermeister der Stadt Regensburg Joachim Wolbergs, und die Leiter der Tage Alter Musik, Ludwig Hartmann, Paul Holzgartner, Stephan Schmid (v.l.). Foto: Tage A.M./Hanno Meier

Die Tage Alter Musik sind ein fester Bestandteil im Tournee-Kalender der bekanntesten Künstler Originalklang-Szene und weltweit als "The Regensburg Festival" bekannt. Auch nach 24 Jahren kommt das Festival mit einem Minimal-Budget aus. Das Land Bayern gibt nur 8000 Euro.

Die Regensburger Tage Alter Musik stehen in der Musikwelt hoch im Kurs. "Man nennt uns überall auf der Welt nur 'the Regensburg Festival'", sagt der Geschäftsführer des Festivals, Paul Holzgartner, im Gespräch mit "Klassikinfo.de". Seit seiner Gründung vor 24 Jahren hat sich das Spezial-Festival in Regensburg rasch als einer der Orte auf der Welt etabliert, an dem man sich als Alte-Musik-Ensemble einfach sehen lassen muss. Das Festival für Alte Musik in Utrecht ist ein weiterer dieser Orte, auch das Boston Early Music Festival, das aber nur alle zwei Jahre statt findet. "Wir haben bisher jeden hergekriegt, den wir wollten", schildert Holzgartner das Ansehen, das das Festival bei den Künstlern genießt. Und jeden: das heißt auch solche Spitzen-Ensembles wie Giardino Armonico, La Chapelle Royale, Akademie für Alte Musik Berlin oder das Freiburger Barockorchester.
Das viertägige Festival kommt dafür mit einem geradezu unglaublich niedrigen Budget aus. 230.000 Euro brauchte man für die 14 Konzerte an vier Tagen in dieser Saison. Das auch sehr sparsame Kunstfest Weimar braucht für 31 Termine zwischen dem 22. August und 14. September 1,6 Millionen.
Regensburg, Weltkulturerbe seit 2006, kann sich nicht nur auf sein historisches Stadtbild und die zahllosen Kostbarkeiten der Architektur stolz sein. Es kann sich auch mit einem Festival schmücken, das zusätzliches Leben in diese Gebäude bringt. Und dies mit Musik, die zum Teil genau aus der Zeit stammt, in der diese Gebäude errichtet wurden.
Wie wird dieses Engagement, das seit Beginn die Initiatoren Stephan Schmidt und Ludwig Hartmann schultern und seit 1998 mit ihnen Paul Holzgartner, von offiziellen Stellen unterstützt? "Die Stadt Regensburg weiß das richtig einzuschätzen", sagt Holzgartner. Sie steuerte in diesem Jahr 43.000 Euro bei. Weniger glücklich zeigt sich der Geschäftsführer hingegen mit der Unterstützung durch den Freistaat Bayern. "Früher haben die Stadt und der Freistaat gleich hohe Zuschüsse gezahlt", sagt Holzgartner, "jeweils 20.000 Mark". "Der Freistaat aber hat diesen Beitrag nie erhöht. Im Gegenteil, er wurde 2006 auf 8000 Euro gekürzt und da gehalten. In Niedersachsen steigt Ministerpräsident Wulff bei den Göttinger Händelfestspielen ein und uns nimmt die Landesregierung kaum zur Kenntnis. Ich glaube, das liegt auch daran, dass in München die Alte Musik noch nicht so richtig angekommen ist. Das ist auch ein Zentrum-Peripherie-Problem."
Den Ausgleich für das gekürzte Staats-Geld habe dann die Stadt Regensburg geschaffen, sagt Holzgartner.
Außer der finanziellen Zuwendung zählt für das Gelingen des Festivals noch ein weiterer Standortfaktor in Regensburg: die historischen Räume. Die Säle und Kirchen sind oft zum Nulltarif oder für geringes Geld zu haben, Serviceleistungen wie Hausmeister inklusive. Das macht es möglich, das Geld dahin zu leiten, wo es nötig ist: in die Kasse fürs Programm. Aus dem Kartenverkauf werden 50 Prozent der Kosten bestritten. Weitere Einnahmen kommen von den Übertragungsrechten, die die Sender Deutschlandradio Kultur,  Deutschlandfunk und Bayern 4 Klassik dem Festival abgelten. "Auch das sind echte Sponsoren für uns", beschreibt Holzgartner die Rolle der Sender, die in diesem Jahr 12 der 14 Konzerte aufgezeichnet oder direkt gesendet haben. ARD und ZDF sind oft auch wichtige Kulturveranstalter, was manchmal vergessen wird.
Den Rest tragen Sponsoren und Spender bei. Der Hauptsponsor findet sich in der Stadt, erzählt Holzgartner, die Sparkasse Regensburg. Unterstützung kam auch von Länderkulturanstalten wie dem spanischen Instituto Crvantes für das Konzert mit "La Colombina" oder dem Niederländischen Generalkonsulat in München für die h-Moll-Messe. Es gebe auch einige Privatspender, aber deren Zahl sei nicht so groß. Eine Option für Mäzene sei es, meint Holzgartner, einen bestimmten Künstler oder ein bestimmtes Ensemble zu unterstützen, den das Festival schon immer haben wollte.
Im kommenden Jahr wird wieder Jubiläum gefeiert bei den Tagen Alter Musik in Regensburg: 25 Jahre! Das Programm wird im November bekannt gegeben. Eines ist schon jetzt sicher: Eine Oper wird es geben, eine der besten überhaupt: Monteverdis "Krönung der Poppea" mit dem italienischen Ensemble "La Venexiana".

Laszlo Molnar