CD-Rezension

The King's Singers mit geistlicher spanischer Musik : The Golden Age / Siglo de oro
Signum Classics

Eine dämmrige, weihrauchgeschwängerte Kathedrale, goldglänzend und erhaben, wäre der richtige Rahmen für die neueste CD der King's Singers. Musik aus dem "Siglo de oro" ist darauf zu finden, jenem "Goldenen Zeitalter" Spaniens an der Schwelle von Renaissance und Barock, zwischen etwa 1550 und 1680, in dem das Land zur wirtschaftlichen und kulturellen Großmacht aufstieg und Literatur, Malerei, aber auch die Musik eine einzigartige Blüte erlebten.
"The Golden Age / Siglo de oro" lautet dann auch der Titel der CD, die, neben diversen Wieder- und Best-of-Veröffentlichungen, zum diesjährigen Jubiläum der King's Singers erschienen ist: Vor 40 Jahren, 1968, traten sechs "choral scholars" des King's College in Cambridge in der Londoner Queen Elizabeth Hall auf - und was bis dato ein loser Zusammenschluss junger Sänger gewesen war, wandelte sich zum festen Ensemble. Seither hat die Besetzung, natürlich, mehrfach gewechselt; die Markenzeichen der Gruppe indes sind unverändert geblieben: ein makelloser, homogener Ensembleklang, technische Perfektion und ein Repertoire, das alles umfasst, was man mit sechs Männerstimmen singen kann, von der Frühzeit der mehrstimmigen Musik bis hin zu arrangierten Pop-Songs.
Dieses Mal also widmen sich die King's Singers geistlicher Musik des spanischen Siglo de oro. Die meisten Komponisten jener Epoche sind mitsamt einem Großteil ihrer Werke im Nebel der Musikgeschichte verschwunden. Es gibt also einiges zu entdecken auf dieser Platte. Spanische und portugiesische Namen sind darauf vertreten, einen der Komponisten, Juan Gutiérrez de Padilla, hat es sogar bis nach Mexiko verschlagen. Gemeinsam ist allen Kompositionen der gedämpfte, am rituellen Lamento orientierte Duktus; es sind kunstvolle, oft in ein dunkles Licht getauchte und doch sehr farbenreiche Gesänge, voller ungewohnter Klänge, wie es bei den experimentierfreudigen Komponisten der Renaissance-Zeit häufig der Fall ist.
Die CD verlangt Zeit und Hingabe vom Hörer, aber wer beides aufbringt, wird sich der fesselnden Kraft dieser Musik nicht entziehen können.
Eva Blaskewitz

 

[zur nächsten CD-Rezension]