Brahms: Sinfonie Nr.1, Chorwerke
Orchestre Revolutionnaire et Romantique
The Monteverdi Choir
D: John Eliot Gardiner
SDG 702, 1 CD, www.solideogloria.co.uk
Vertrieb in Deutschland: harmonia mundi
Sir John Eliot Gardiner nutzt sein eigenes Label "SDG" (Soli Deo Gloria, Gott allein zur Ehre, der Wahlspruch Johann Sebastian Bachs) keinesfalls nur zur Verbreitung seines Bach-Kantaten-Projekts. Trotz des Endes seiner Beziehung zur Deutschen Grammophon ist der Orchester-Dirigent Sir John ja nicht vor der Bildfläche verschwunden. Er dirigiert regelmäßig das London Symphony Orchestra, ist beim Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks zu Gast. Auch mit dem von ihm gegründeten "Orchestre Revolutionnaire et Romantique" (ORR) besucht er regelmäßig die Konzertsäle. Da ein Aufnahmeteam dabei zu haben ist kein Hexenwerk mehr - und so kommt Johannes Brahms zu der Ehre, nun auf "SDG" zu firmieren.
Nach Beethoven und Schumann ist das Gardiners dritte symphonische Gesamttat. Auf vier CDs sollen die vier Symphonien von Brahms erscheinen, ergänzt von Chor- und Orchesterstücken. Die erste CD enthält die erste Sinfonie sowie die Chorstücke "Begräbnisgesang" und "Schicksalslied". Das "ORR" spielt auf Originalinstrumenten. Aber Gardiner ist nicht der erste, der Brahms im "Originalklang" bringt. Schon 1991 machte sich sein Londoner Kollege Sir Roger Norrington mit seinen "Classical Players" an Brahms heran. Und setzte einen interessanten Maßstab für Proportion und Klang in dieser Musik. Norringtons "Erste" klingt auch heute noch frecher, kantiger, dazu tänzerischer und farbiger als bei Gardiner. Er aktivierte den kammermusikalischen Ehrgeiz seiner Musiker und gab den Brahms-Satz als lebhaftes Zusammenspiel der Orchestergruppen zu hören.
Der Gardiner-Originalklang dagegen geht in Richtung großer Symphonik und seidigem Zusammenklang. Vielleicht schwingt etwas die Sehnsucht nach den Wiener Philharmonikern mit, die Sir John ja gelegentlich dirigieren durfte. Die live-Aufnahme aus der Salle Pleyel in Paris jedenfalls gibt ein Orchester zu hören, das sein Zusammenspiel wohl kultiviert hat und sein eigenes Klangprofil verfolgt. Unter Sir John gibt sich Brahms immer noch farbig, konturiert und plastisch durchhörbar, aber auch "ziviler" als unter Norrington.
Bei den Chorstücken hört man, dass der "Monteverdi-Choir" mehr eine Ansammlung von Solisten als ein wirklich homogenes Ensemble ist. Das ist wohl der Tribut an die symphonischen Ambitionen seines Gründers und Leiters.
Laszlo Molnar