Franz Schubert: Lieder
Bernarda Fink, Mezzosopran
Gerold Huber, Klavier
harmonia mundi HMC 901991
Johann Sebastian Bach:
Solo-Kantaten, BWV 35, 169, 170
Bernarda Fink
Freiburger Barockorchester
harmonia mundi HMC 902016 (ab Mitte Januar 2009)
Die Mezzsopranistin Bernarda Fink gewinnt immer mehr an Profil. Schade, dass Sie sich noch nicht traut, ihre Stimme als "Alt" zu bezeichnen, so eine schöne, farbige Tiefe hat sie ihr erarbeitet, so eine warme und dabei strahkräftige Höhe. Nur weil das Sopranfach die aufregenderen Rollen zu bieten hat? Dabei war die Stimmlage "Alt" einmal durch Sängerinnen wie Kathleen Ferrier, Helen Watts oder Julia Hamari geadelt.
Wie dem auch sei, Bernarda Fink ist es gelungen, im ablaufenden Jahr eine der schönsten Schubert-CDs aufzunehmen. Am Klavier begleitet Gerold Huber. 25 Lieder enthält die CD, darunter das "Lied der Mignon", "Gretchen am Spinnrad", "An den Mond", "Du bist die Ruh" und "Im Abendrot". Viel Vertrautes also, das den Weg bahnt zu weniger häufig gehörten Schubert-Liedern.
Bernarda Finks Stimme ist ein anregender, bezaubernder, immer neue Aufmerksamkeit erregender Wegbegleiter. Ihr Mezzo ist in den letzten Jahren ungemein gereift, hat eine reiche Palette an schimmernden Farben dazugewonnen und eine heute in dieser Stimmlage ungewöhnliche Festigkeit vom Timbre und Charakter. Das mag daran liegen, dass Fink ihre Stimme nicht im Opernbetrieb verschleudert hat - Konzert, Oratorium, Lied, das ist ihre Domäne. Deshalb geht jedes der ausgewählten Schubert-Lieder unter die Haut und will den Zuhörer nicht mehr loslassen. Liedgestaltung - Größen wie ELisabeth Schwarzkopf oder Brigitte Fassbaender haben es vorgemacht - ist eine Sache der feinsten Nuancen. Bernarda Fink hat sie zu bieten und Gerold Huber gleichfalls. Die beiden Musiker ergänzen sich nicht nur, sie treten in Dialog miteinander. Unter derart idealen Bedingungen ist die Welt der Schubert-Lieder heute so gegenwärtig wie zur Zeit ihrer Entstehung.
Bach: Das beste seit Janet Baker
Nicht weniger Eindrückliches vollbringt Bernarda Fink mit drei Solo-Kantaten von Johann Sebastian Bach. Zusammen mit dem Freiburger Barockorchester unter Petra Müllejans hat sie die Kantaten "Geist und Seele wird verwirrtet" (BWV 35), "Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust" (170) und "Gott soll allein mein Herze haben" (169) aufgenommen. In aller Kürze: das sind die schönsten Aufnahmen seit Janet Baker und Julia Hamari. Im Boom der Countertenöre haben Altistinnen und Mezzos das Bach-Feld erst einmal geräumt, bis mit Magdalena Kozena wieder eine Frau Flagge zeigte. Bernarda Fink hat sich mit diesen Solo-Album Zeit gelassen und sich in Oratorien-Aufführungen - unter anderen mit Nikolaus Harnoncourt - in Bachs Welt eingelebt.
Der Ertrag dieser Geduld ist faszinierend. Wieder, wie bei den Schubert-Liedern, schlagen Festigkeit, Umfang und Timbre der Stimme den Hörer in den Bann, fesseln Finks Kunst der Artikulation und ihre blendende Verständlichkeit die Aufmerksamkeit. Gerade in der pastoral wiegenden Stimmung der Arie "Vergnügte Ruh" können die Wärme, die sichere Tiefe und das Brustregister in der Höhe einer Frauenstimme alle Trümpfe ausspielen - so vergnüglich in sich ruhend gelingt das keinem Altus. Einfach brillant gestalten das Freiburger Barockorchester und seine Solisten ihren Part. Die Kantaten 35 und 169 enthalten als "Sinfonie" einige der schönsten und kunstvollsten Konzertsätze Bachs. Das Freiburger Barockorchester lässt daraus die reine Spielfreude herausperlen und untermauert erneut seinen Rang als eines der allerbesten Orchester seiner Art.
Eines der Faszinosa Bachs besteht darin, dass er die Welt des Vokalen mit der Welt der Instrumente ohne jeglichen Bruch zur Einheit verschmolzen hat. Den Künstlern auf dieser CD gelingt mit ihren Mitteln das Gleiche. (Sie ist ab 19. Januar erhältlich)
Laszlo Molnar