Inspiration im Prado

Mauricio Sotelo: "Music for Sean Scully". Trilok Gurtu, Juan Manuel Canizares, Marcus Weiss, Miquel Bernat. Musikfabrik, Leitung Mauricio Sotelo. Kairos 0012832.

Das ist mutig: Stücke für Flamenco-Gitarre solo oder für Tabla-Spieler und Ensemble. Mauricio Sotelo arbeitet mit "vorbelastetem" Material. Hinter den sehnsuchtsvoll klingenden, feurig tremolierenden Gitarrenklängen von "Como Llora el Agua" verschwindet der Komponist. Auch "Chalan" für indische Tablas (Solo: Triluk Gurtu) und Ensemble wirkt mit seinen für das Instrument typischen Rhythmen und dem modalen Tonmaterial reichlich volkstümlich. Der in Madrid geborene und in Wien ausgebildete Sotelo schreibt nicht "gegen" das Instrument. Das hört man auch dem für Saxophon (Marcus Weiss) und Ensemble geschriebenen Stück "Wall of light black" an. Die melodisch vierteltönige Solostimme schlendert durch episodenhafte Szenen des Ensembles. Ein Solist in einer klar als Außenraum definierten Umgebung. Diese konzertante Situation hat Sotelo als feinfühliges Psychogramm konzipiert, ausgemalt mit einer originellen Palette von auch im Forte nie sich überdeckenden Klangfarben. Inspiration, so Sotelo, habe er schon als Kind bei Besuchen im Madrider Prado gefunden. Besonders der irische Maler Sean Scully habe es ihm angetan. Seltsam: Scullys flächige Geometrien und das dynamisch bewegte "Klangbild" bei Sotelo muten völlig unterschiedlich an.

Benjamin Herzog

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