Verschachtelungen

Olga Neuwirth: "Music for Films". Kairos 012772 (2 DVDs).

Sie sind schwer greifbar, die Klangpartikel in Olga Neuwirths Musik zu "The Long Rain" (2000). Und penetrant, wollen nicht aufhören. Lästige Noten. Musik, die spiegelt, was Michael Kreihsl auf filmischer Ebene erzählt. Nämlich vom "langen Regen", der eine Truppe Raumfahrer auf einem fremden Planeten empfängt. Unwirtlich, unerbittlich, die Leute in den Wahnsinn treibend. Musik und Film sowie die Techniken, die beiden Medien eigen sind, beschäftigen die Komponistin seit langem. Die DVD versammelt diejenigen Kompositionen, die zum Film in enger Verbindung stehen. Neuwirths Oper "The Lost Highway" nach David Lynch gehört folglich nicht dazu. Dafür erwähnter Film "The Long Rain", also eine (fast) klassische Filmmusik. "Film-Musik" kann aber auch die sichtbar gemachte Anstrengung einer Komponistin sein beim Schreiben eines Trompetenkonzerts ("Miramondo Multiplo"): Imaginierter Klangraum, Schöpfungs- und Nachschöpfungsakt klappen in anachronistischem Miteinander zusammen. Verschiedene Ablaufformen von Zeit, Schnitt und Montage von Bild und Ton treten in den auf der DVD versammelten Film-Musik-Stücken in spannende Verhältnisse. Witzig die frühe (1991) Miniatur "The Calligrapher": Ein Mann schreibt mit einer Feder, die wiederum schreibt und zeichnet, dass etwas geschrieben wird etc. Die Musik dazu implodiert - ein wenig. Neuwirth hält zu dem verrückten Verschachtelungsspiel ironischen Abstand. 

Benjamin Herzog

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