Auf doppeltem Boden

Mozart: Klavierkonzerte KV 453 und 466 mit Leif Ove Andsnes, Leitung und Klavier. Norwegisches Kammerorchester. EMI 5 00281 2

Es ist die zweite Mozart-CD mit dem Norwegischen Kammerorchester und  dem Pianisten Leif Ove Andsnes. Diesmal mit den Konzerten KV 453 und  466, beide um 1784 herum entstanden. Das erste Konzert in B-Dur ist von einer Wärme geprägt, die das Orchester nicht mit Vibrato erzeugt, sondern - vielleicht - mit innerer Hingabe. Solche Vermutungen sind zuzulassen, denn es gibt hier kein pauschales Musizieren. Man spielt kammermusikalisch, der Solist (und in Personalunion Dirigent) nimmt seine Begleitsechzehntel zurück. Auch wenn sie Verlust von Virtuosität bedeuten. So aber erscheinen Figuren im Orchester, in den wunderbaren Bläsern und den intelligent arbeitenden Mittelstimmen, die man sonst nicht hört. Der Formverlauf bekommt etwas Überraschendes, worüber man gerade bei Mozart dankbar sein muss. In der Mitte des ersten Satzes nimmt Andsnes das Tempo etwas zurück und entführt einen in der Durchführung in eine völlig andere Welt. Was danach kommt, steht auf doppeltem Boden. Das d-Moll-Konzert liegt dem Orchester offenbar weniger. Es spielt zu lieblich. Auch Andsnes, so sehr er bei  KV 453 gewann mit fein aber deutlich zeichnendem und viele  Schattierungen bereithaltendem Anschlag, überzeugt hier nicht ganz. Er ist ein Künstler, der sich bei Mozart gerne zurücknimmt - um einem dadurch umso mehr zu hören zu geben. Vielleicht aber verlangt die Don Giovanni-Welt des KV 466 doch etwas mehr solistischen Egoismus.

Benjamin Herzog

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