Bei den Preisträgerkonzerten des ARD-Musikwettbewerbs 2009 gab es einige großartige Talente zu bewundern
(München, 17. und 18. September 2009) Auch eine hochkarätig besetzte Jury ist nicht gegen Fehlurteile gefeit. So etwas kommt in den besten Musikwettbewerben vor. Manchmal ist das Unverständnis gegenüber der Jury-Entscheidung sogar so groß, dass die öffentliche Erregung die entgangene Publicity durch einen Preisgewinn für den Musiker aufwiegt.
Beim diesjährigen ARD-Wettbewerb traf es den jungen russischen Geiger Sergey Dogadin, der im Semifinale aus dem Wettbewerb gekickt wurde, dann aber aufgrund zahlreicher unabhängig von der Jury zuerkannter Sonderpreise (Preis des Münchener Kammerorchesters, BR-Klassik-Preis und einen Preis für die beste Interpretation der Auftragskomposition) doch noch beim Preisträgerkonzert im Prinzregententheater auftreten durfte. Und dort die Jury reichlich düpierte. Dogadin spielte Mozarts G-Dur-Konzert zusammen mit dem Münchner Kammerorchester (MKO) und dem Konzertmeister Daniel Giglberger als Quasi-Dirigent und riss sein Publikum zu Begeisterungsjubel hin. So innig und gesanglich, so seelenvoll und gleichzeitig spielerisch, ja spielmännisch musizierte der 20-Jährige, dass man an sich nur wundern konnte, wie die Jury dieses Talent derart ignorieren konnte. Auch die Entscheidung für den zweiten Preis für den zurückhaltend-brav aufspielenden Japaner Kei Shirai erscheint nicht viel plausibler. Shirais Mozart (er spielte das A-Dur-Konzert) fehlte über weite Strecken die interpretatorische Linie. Seine zurückgenommene Spielweise hatte zunächst manches für sich, wenn die Geige aber eher nach einer Windharfe klingt (2. Satz), ist das nicht wirklich überzeugend - zumindest nicht bei Mozart.
Dagegen ging der zweite Preis für die japanische Harfenist Ruriko Yamamiya völlig in Ordnung - sie spielte erneut das Auftragswerk, Hosokawas "Gesine" für Harfe solo, und - zusammen mit einem wunderbaren Ensemble aus ehemaligen Wettbewerbsgewinnern plus Mitgliedern des MKO - Ravels Introduktion und Allegro für Harfe, Streichquartett, Flöte und Klarinette. Während der Gewinner des ersten Preises, der enorm adrette Franzose Emmanuel Ceysson, beim Konzert am 18. im Herkulessaal in Glières schwülstigem Konzert für Harfe und Orchester sein Instrument unglaublich hart und kraftvoll bearbeitete, ließ die Japanerin auch die lyrischen Qualitäten aufscheinen.
Beeindruckend beim Konzert der Erstplatzierten am Freitag waren vor allem die australische Sopranistin Anita Watson, die mit einer schier unglaublichen stimmlichen und gestalterischen Sicherheit und Leichtigkeit mit einer Händel-Arie und einer Arie aus Carmen ("Je dis quer rien ne m'epouvante") begeisterte sowie die 17jährige Koreanerin Hyeyoon Park, die Korngolds Violinkonzert zusammen mit dem Symphonieorchester des BR unter der agilen Leitung von Lawrence Renes zu einer Demonstration jugendlicher Leichtigkeit und Unbeschwertheit machte. Diesen beiden Damen dürfte eine Karriere sicher sein.
Robert Jungwirth
(Eine Aufzeichnung des Konzerts sendet das BR-Fernsehen am 3. Oktober, am 4. Oktober sendet die ARD eine Reportage über den Wettbewerb)