CD: Thielemann mit Strauss

Späte Kunstfertigkeit

Christian Thielemann und die Dresdner Staatskapelle mit wenig bekannten Werken von Richard Strauss

CD-Rezension von Christoph Zimmermann

Mit der Elbstadt Dresden verbinden Richard Strauss vorrangig die Opernpremieren von „Feuersnot, „Salome“, „Elektra“ und „Rosenkavalier“. Doch schon der ganz junge Komponist hatte Kontakt mit dem dortigen Tonkünstler-Verein, der u.a. die Uraufführung seiner Serenade opus 7 besorgte. Mit der 1904 verliehenen Ehrenmitgliedschaft erhielt die Verbindung einen besonderen Akzent. Daß die Serenade klassische Vorbilder erkennen läßt, kann bei einem 17jährigen Komponisten nicht verwundern, aber Sicherheit und Eleganz des Stils beeindrucken bereits nachhaltig. Die üppige Bläserbesetzung dürfte mit dem romantischen Klangempfinden von Strauss zusammenhängen, die Viererbesetzung der Hörner eine Reverenz vor Vater Franz sein, einem sehr bewunderten Hornisten.

Sicher nicht von ungefähr entstand in nur leicht erweiterter Besetzung in den Spätjahren des Komponisten noch die Sonatine opus 135. Der Untertitel „Aus der Werkstatt eines Invaliden“ gibt sich ironisch. Strauss betrachtete sein Werk als „Schreibtischvergnügen“. Als Hörer genießt man die Kunstfertigkeit des Spätstils, welcher an der Tonalität unbeirrbar festhält. Bei den „Vier letzten Liedern“ holte Strauss diesbezüglich noch einmal ganz groß aus. Auch die „Metamorphosen“ sind retrospektive Musik, selbst der Schmerz des Komponisten über Kriegsereignisse lässt Wohllaut immer noch zu.

Diese Balance ist dem Dirigenten Christian Thielemann (gerade 60 geworden) wohl sympathisch, und er entfacht mit der Staatskapelle Dresden eine ungemein starke klangliche Inbrunst. Aber auch den eher leichtfüßigen Bläser-Stücken entlockt der Dirigent exquisite Farben. Die hohe Qualität der Staatskapelle beweist sich gerade bei diesen Ensemblewerken besonders. Robert Langbein, Solohornist des Orchesters, brilliert erstrangig mit dem virtuosen ersten Konzert, dessen flinke Gangart Thielemann mit schöner Caprice steuert. Dem Andante läßt er angemessene romantische Ruhe zukommen.

Alle Aufführungen sind Livemitschnitte von 2014 aus Anlaß des 150. Geburtstages von Strauss. Eine neue, attraktive Veröffentlichung des Labels Profil im Rahmen der „Edition Staatskapelle Dresden“, bei der ein attraktives Booklet selbstverständlich ist.

 

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