Piotr Anderszewski mit Mozart in Köln

Piano am Piano

Piotr Anderszewski und das Scottish Chamber Orchestra mit Mozart zu Gast in Köln

Von Christoph Zimmermann

(Köln, 16. Mai 2018) Auch wenn er langsam auf die Fünfzig zugeht, wirkt der Pianist Piotr Anderszewski noch immer wie ein großer Junge, und sein verschmitztes Lächeln unterstreicht das. Dass er nach eigener Aussage ein sehr „turbulentes Kind“ war, möchte man angesichts der Gelassenheit seiner Auftritte wie jetzt in Köln kaum glauben. Aber der kleine Piotr tobte gerne und wurde nur beim Hören von Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ ruhig. Dass er jetzt mit gleich zwei Klavierkonzerten des Komponisten (KV 453 und 491) in die Philharmonie kam, verwundert also kaum. Mozart sei für ihn der „einzige Komponist, der mich nie ermüdet“.

Piotr Anderszewski tritt immer wieder auch als Dirigent in Erscheinung (wie beispielsweise Mitsuko Uchida oder András Schiff), misst dieser Funktion aber nur begrenzte Bedeutung zu. Besonders bei der Musik Mozarts, welche er als gänzlich natürlich und organisch empfindet, besitzt für ihn der Spielkontakt zu den Orchestermusikern oberste Priorität. Im Scottish Chamber Orchestra, mit welchem er schon lange zusammenarbeitet, hat der Pianist optimale Partner gefunden. Obwohl häufig Dirigenten am Pult dieses Klangkörpers stehen (bis zu seinem Tod 2010 war Charles Mackerras besonders prägend), ist das Orchester gewillt und fähig, sich selbst bei einer Besetzungsstärke von rund vierzig Spielern (so im Falle der Sinfonietta von Francis Poulenc, dem Mittelstück des Abends) lediglich auf eine Führung durch die Konzertmeisterin (Stephanie Gonley) zu verlassen.

Bei den Mozart-Konzerten gab freilich der Pianist noch dirigentische Impulse. Aber sie unterstrichen im Grunde lediglich gestisch, was in gemeinsamen Proben verläßlich erarbeitet wurde. Piotr Anderszewski und das Scottish Chamber Orchestra haben bereits 2006 gemeinsame Aufnahmen gemacht, und erst jüngst erschien eine neue Mozart-Einspielung, darunter das Konzert KV 453, das nun auch in der Philharmonie zu hören war.

Mit seinem heiteren Dur-Charakter und der bläserreduzierten Besetzung bildet es einen Kontrast zu KV 491, wo nicht nur Klarinetten, Trompeten und Pauken klangverstärkend hinzukommen, sondern wo die Moll-Tonart bei aller verbleibenden Spiellaune überdies einen ernsten, mitunter sogar grüblerischen Charakter gibt. Dem entsprach Piotr Anderszewski mit ausgreifendem Spiel. In dem kantablen Larghetto-Mittelsatz bewies er dann aber seine besondere Neigung zu ausgepichten Piano- und Pianissimo-Werten. Nicht umsonst wird der Pianist schon mal als „Mozart-Flüsterer“ bezeichnet. Sein subtiler Anschlag wirkte bis in die Zugabe (Beethovens Bagatelle opus 126) hinein.

Ein Kontrast von turbulenter Heiterkeit und meditativer Inbrünstigkeit findet sich auch im Oeuvre von Francis Poulenc. Am Abend zuvor war in der Philharmonie sein „Stabat Mater“ erklungen, wo der Komponist den schmerzhaften Verlust eines geliebten Freundes künstlerisch verarbeitete. Die nur kurz zuvor entstandene Sinfonietta hingegen ist von sanguinisch hochschäumender Spiellust geprägt, wunderbar farbig instrumentiert und – einigen Längen zum Trotz – von A bis Z unterhaltsam. Das Scottish Chamber Orchestra quoll über vor temperamentvoller Musizierlaune. Bei den famosen Bläsern bestachen die Hörner in besonderer Weise. Bereits im Finalsatz von Mozarts KV 453 war ihr dynamisch gezügeltes, warmgetöntes Spiel nachhaltig aufgefallen.

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